Captain Dutt und die Mission ESA

Lassen Sie uns über Robin Dutt reden. Sie wissen schon, der jugendliche Erfolgstrainer, dessen Name so schön an den Helden aus dem Sherwood Forest erinnert und dessen Traumkarriere nach erfolgreichen Stationen bei den Stuttgarter Kickers und beim SC Freiburg eigentlich nichts mehr im Wege stand. Eigentlich. Dann kam das gescheiterte Engagement in Leverkusen und schwupp verschwand der 48jährige in den Tiefen der DFB-Bürokratie, dieser Mischung aus Talentgrab und Resterampe an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise.

Als Nachfolger des nun für die Bayern strahlenden Matthias Sammer wurde Dutt im August 2012 Sportdirektor beim DFB, "zuständig für die Jugend- und Talentförderung und die Optimierung der Trainerausbildung des Verbandes", wie es heißt. Einstellungsbedingungen sind normalerweise ein halbwegs modischer Pulli und der farblich passende Schal, doch wie man Robin Hood-Dutt kennt, hat der nicht nur die DFB-Boutique neu geordnet, sondern auch seinen eigenen Köcher gefüllt. Und am Mittwoch hat er zum ersten Mal geschossen. Allerdings nicht auf Prinz John oder den Sheriff von Nottingham, seine Gegner sind der Rest der Welt - und die deutsche Sprache. Als Robin Dutt sein Konzept "ESA" vorstellte, dachten viele zunächst, er hätte sich im Redemanuskript geirrt. Doch weit gefehlt, die, vermutlich sogar absichtlich, an das gleichnamige europäische Raumfahrtprogramm angelehnte Buchstabenkombination steht für "Erfolg sind alle", eine Formulierung, die jedem Grundschullehrer die Kreide ausrutschen lassen würde. Und kaum hatte der Rebell bei der Pressekonferenz seinen ersten Schluck Mineralwasser getrunken, twitterten schon die ersten Fußballfans: "Klarer Versprecher, er wollte sagen: Die Erfolge sind alle."

Doch der tapfere Robin war noch lange nicht fertig: "Wenn wir es so machen, wie ich es mir vorstelle, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir Erfolg haben. Titel werden dann unausweichlich sein", tönte es aus dem deutschen Fußballhauptquartier und nun wurde es nicht nur den Pädagogen mulmig. Der Mann redet gar nicht mehr davon, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft nach 1996 mal wieder ein großes Turnier gewinnen könnte – nein, Titel werden unausweichlich sein! Quasi ein Kollateralschaden von ESA, ungewollt zwar, aber halt leider nicht zu verhindern.

Abgesehen davon, dass sich Dutt damit weiter aus dem Fenster lehnt als Erich Honecker und Chemical Ali zusammen: Wollen wir solche Titel? Und wenn sie nur Nebeneffekt sind: Was sind dann die eigentlichen Ziele des DFB? Und was sagt wohl der Kaiser dazu? Wir erinnern uns an 1990: "Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden in den nächsten Jahren nicht zu besiegen sein." Anders formuliert: Niemand hat die Absicht - und sie wird in hundert Jahren noch stehen. Nein, nicht die Mauer, die Hybris. Offensichtlich ist sie im deutschen Fußball, Sie ahnen es, unausweichlich.

Foto: DerFalkVonFreyburg/Wikipedia

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
Durch Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie die Mollom Privatsphärenrichtlinie.