Drogen dealen mit dem AStA

Große Aufregung an der Universität! In einem Artikel des AStA-Magazins wurden nicht ganz legale Möglichkeiten studentischer Erwerbstätigkeit erörtert, genannt wurde z.B. der Verkauf von Cannabis. Das hat jetzt beim Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und der liberalen Hochschulgruppe für gewaltige Empörung gesorgt.

Was an der Meldung wirklich faszinierend ist, ist ja vor allem, dass es den RCDS und die Liberale Hochschulgruppe überhaupt noch gibt. Ich hielt diese Gruppen eigentlich immer für ein universitäres Phantom, ein Gerücht.

Ich stelle mir unter den Mitgliedern der RCDS brave Theologiestudenten vor, die sich abends für den Blick auf die knackigen Ärsche der Kommilitoninnen kasteien und die Liberale Hochschulgruppe dürfte identisch mit den Jura- und BWL-Studenten sein, die unsere Arbeitsplätze später mal als Unternehmensberater wegrationalisieren helfen. Sympathische Zeitgenossen also, deren moralische Empörung durchweg glaubwürdig ist.

"Es ist durchaus bezeichnend für die Geisteshaltung einiger Köpfe der AStA, ein solches Pamphlet im Namen aller Studenten der Universität Augsburg und mit öffentlichen Mitteln zu publizieren", moniert der Vorsitzende des RCDS. Man kann sich seinen Gesichtsausdruck bei der Abgabe dieses Statements gut vorstellen. Ernst, sehr ernst, betroffen, traurig. Man hat es ja schon immer gewusst. Die AstA-Leute sind halt gottlose Dreckschweine, die unseren Kindern Drogen verkaufen und unsere Mütter und Schwestern auf den Strich schicken wollen. Seufz. Wie konnte es nur so weit kommen und das mit ö-ffen-t-lich-en Mitteln! Das kostet doch alles Geld.

An der Stelle schaltet sich der panisch-eifrige Kollege von den Jungen Liberalen ein: Alles eine Aufforderung zum Gesetzesbruch! Die Studenten lesen den Bericht und am nächsten Tag sieht man sie als Dealer auf dem Kö. So läuft das doch. Das ist alles kein Spaß!

Äh, doch, sagt der AStA, das ist schon ein Spaß, also der ganze Text ist ein Spaß, das nennt man Glosse. Das Studium ist zeitlich sehr vollgepackt und wer keine wohlhabenden Eltern hat, hat ein Problem.

Glosse, Glosse, Glosse, nie gehört! - winken der RCDS und die Jungen Liberalen ab und der Text landet flugs auf dem Schreibtisch der Polizei. Doch aus deren Sicht ist, um es in herrlichen Polizeiberichtsdeutsch zu sagen: "Die Ernsthaftigkeit des Textes nicht gegeben."

Man könnte auch sagen, der Text ist ein Witz. Aber das Wort Witz darf nach der geltenden Polizeistellungsnahmenformulierungsverordnung (PoStlngForVe) in offiziellen Statements der Polizei nicht vorkommen, denn darunter würde die Ernsthaftigkeit leiden. Inzwischen liegt auch eine Stellungnahme der Universitätsleitung vor. Nachdem ein Medienrechtsexperte eine ausführliche Analyse durchgeführt hat, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, so der Tenor, dass der vorliegende Text eine Glosse sei.

Was bedeutet, dass der Charakter der Unernsthaftigkeit des AStA-Textes keineswegs mehr als strittig zu bezeichnen ist. Da haben wir aber alle nochmal Glück gehabt. (me)

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Kommentare

Haha einfach nur geil, wie der Autor die Pseudomoralität der CSU und der FDP Hochschulgruppe auzeigt. Beide Gruppierungen sind an der Uni noch nie durch irgendwas produktives aufgefallen.

Leider habe ich den Artikel nicht gelesen, kann mir aber vorstellen, dass in dem 300-seitigen Magazin der AStA, das Wort Cannabis zweimal vorkommt, daher die große Aufregung. CANNABIS, HILFE, POLIZEI!!! Wäre toll wenn ihr den Artikel bringen könntet :)

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