Heute ist Weltmädchentag

Heute ist Weltmädchentag. Einen Weltjungentag gibt es nach meinen Recherchen nicht. Ist das ungerecht? Ich schwanke ein wenig, denn ich habe ein schlechtes Gewissen. Warum? Weil ich ein Mann bin. Eigentlich wollte ich mich in dem Text hier darüber aufregen, dass Jungs benachteiligt werden, etwa wenn bei Facebook verkündet wird: Mädchen sind unsere Zukunft.

Das stimmt natürlich, ohne Mädchen gäbe es keine Frauen, die Kinder bekommen und im Kindergarten wäre es dann auch ziemlich langweilig und die meisten Männer würden jung sterben, weil sie sich ohne den mildernden Einfluss der Frauen gegenseitig totschlagen oder nicht zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Dass es ohne Jungs auch keine Zukunft gibt, ja, das könnte man noch einwerfen, aber es würde viel weniger gesellschaftlich engagiert klingen und jetzt kommen wir zur Scham.

Da gibt es diesen ehemals mächtigen Filmproduzenten aus Hollywood, Harvey Weinstein, der über viele Jahre Schauspielerinnen sexuell missbraucht haben soll. Ich stelle mir das vor. Der fette, fiese, alte Sack, der sich auf all die schönen Schauspielerinnen stürzt und sie vergewaltigt. Wieso sind Männer oft solche miesen Schweine? Wieso gibt es so viele widerliche Verbrechen, die fast nur von Männern begangen werden? Vielleicht müsste ich einen Biologen fragen, oder einen Theologen, oder einen Psychologen oder einen Philosophen. Aber es ist keiner zur Hand. Der große Regisseur Michael Haneke meint, dass wir alle gut und böse gleichermaßen sind. Das mag stimmen, aber bei Frauen ist das, was man böse nennt, entweder sozial gemildert, nicht vorhanden, oder weit subtiler als bei Männern.

Keine Ahnung, aber es ist kein Wunder, dass wir Männer immer mehr am Arsch sind. Nicht nur wegen unserer Veranlagung, auch wegen den Zukunftstrends. Körperlich schwere Arbeit verliert immer mehr an Bedeutung und damit die Kraft der Männer. Mädchen sind besser in der Schule und schon heute studieren mehr Frauen als Männer. Sicher, in den Beziehungen zwischen Frauen und Männern wird das Männliche noch eine Rolle spielen und es wird immer Machos geben, die auf ihre Art gut ankommen, aber sie werden immer mehr zu einem Anachronismus und suchen sich eben ihre maskulinen Spielecken wie Fußball, in denen sie eine Männlichkeit ausleben können, die im richtigen Leben immer verpönter wird. Aber vielleicht wird uns Männern das ja auch gut tun. Irgendwann nicht mehr der Alleskönnercheckerbeschützer sein müssen. Irgendwann nicht mehr im öffentlich-feministischen Diskurs auf vergewaltigende Tyrannen oder drollige Lausbuben in alternden Körpern reduziert werden. Irgendwann kein schlechtes Gewissen wegen der tatsächlichen oder behaupteten Benachteiligung der Frauen haben.

Und irgendwann dann vielleicht einen Weltjungentag feiern. (me)

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