"Der kleine Prinz - Revisited" im Sensemble Theater

Sensemble Theater – Der kleine Prinz - Revisited

Das Sensemble Theater in Augsburg ist wohl das bekannteste aller Freien Theater in Augsburg. Zumindest für mich. Schon unzählige Male bin ich über Flyer oder Programmankündigungen dieses Hauses gestolpert, ohne jedoch auch nur ein einziges Mal bei einer Aufführung gewesen zu sein. Vielleicht bin ich ja tatsächlich nur der Fußball-Proll, für den mich meine kulturell deutlich beflisseneren Kumpels schon seit Jahren halten. Aber durch meinen neuen Job als Redakteur bei der Neuen Szene habe ich mir vorgenommen, der Augsburger Kultur künftig mehr zu frönen, den Kumpels die lange Nase zu zeigen und weiß deswegen auch, dass Sebastian Seidel und seine Leute das Sensemble Theater nun schon über 20 Jahre machen. Seit dem Jahr 2000 hat das Theater sogar seine eigene Spielstätte mit 120 Plätzen und einer kleinen Gastronomie für das geneigte Publikum.

Bei meiner Premiere im Sensemble-Theater stand die Premiere von Saint-Exuperys „Der kleine Prinz“ mit dem Zusatz Revisited auf dem Programm und gespannt machte ich mich mit einem meiner Kultur-Kumpels (ihr wisst schon, die Sache mit dem Fußball-Proll...) auf den Weg in die Kulturfabrik, die das Sensemble Theater beherbergt. Den kleinen Prinzen, den kenne ich, den habe ich sogar gelesen oder zumindest mit meinem Sohn schon mal auf dem Kinderkanal im Fernsehen gesehen. Und auf der Theater-Homepage habe ich zudem gelesen, dass lediglich ein einziger Schauspieler und jener auch nur von einem Vibrafon begleitet, dieses Buch vorlesen würde. Das kann ja heiter werden. Hörbuch live jetzt, oder wie?

Aber schon beim Hineingehen in das alte Fabrikgebäude spürte ich, dass dieser Abend trotz meiner leisen Zweifel etwas Besonderes werden könnte. Die Bar und der liebevoll gestaltete Logenbereich war voll mit meist leger gekleideten Menschen aller Altersgruppen, die Premiere war komplett ausverkauft. Und weil ich jetzt als amtlicher Szene-Redakteur arbeite, wurde ich vom Sensemble-Theaterleiter Sebastian Seidel sogar persönlich begrüßt. Ich muss offen gestehen, dass mir allein diese Tatsache bereits mächtig imponiert hat. Nach einem Gläschen Sprizz begaben wir uns also auf die wie Tribünen hergerichteten Plätze mit den bequemen schwarzen Sitzkissen vor einer schlicht bestückten und puristisch gehaltenen Bühne mit nur zwei Notenständern und einem Vibrafon. Endlich weiß ich jetzt auch, was das eigentlich ist. Ein riesiges Instrument nämlich, das aussieht wie ein Metallophon, so eines, das man aus der Orff-Gruppe aus dem Kindergarten kennt.

Dann erschienen die beiden Hauptakteure des Abends auf der Bühne, der „Vorleser“ Christian Krug in einem weißen, der Musiker Wolfgang Lackerschmid in einem schwarzen Hemd und nach weniger als zwei Minuten wusste ich, dass diese Version des kleinen Prinzen so rein gar nichts mit einem schlichten Hörbuch-Vergnügen zu tun haben würde. Christian Krug schlüpfte tief in sämtliche Figuren des Buches und damit auch in mich hinein. Ohne affektiert zu wirken, schaffte er es, eine knisternde Spannung im Raum zu erzeugen, die durch die pointierten Klänge von Wolfgang Lackerschmids Vibrafon noch verstärkt werden konnte. Regisseurin Gianna Formicone lässt den beiden Hauptdarstellern auch den Raum, den sie für ihr Zusammenspiel benötigen und setzt lediglich auf ein wenig Licht und einige Illustrationen, die auf eine Leinwand an der Rückseite der Bühne projiziert werden.

„Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse.“ Dieser Satz ist mir nach dem tosenden Applaus am Ende der Vorstellung besonders in Erinnerung geblieben. Aber das kann ich kaum glauben, denn Christian Krug hat es in meinen Augen an diesem Abend geschafft, mit Hilfe seiner Interpretation der Sprache sämtliche meiner Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. (max)

Das Programm des Sensemble Theaters findet ihr hier.

Foto: Sensemble Theater Augsburg

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