Drei Schauspiel-Premieren am Theater Augsburg

Intendant André Bücker eröffnet nun auch die Schauspielsaison

Mit der ersten großen Schauspiel-Premiere »Peer Gynt« lädt das Theater Augsburg
am 7. Oktober 2017 in die neue Spielstätte im martini-Park ein. Mit dieser Produktion
feiert nicht nur das neu formierte Schauspielensemble sein Debüt in Augsburg,
auch Intendant André Bücker zeigt seine erste Inszenierung in der Brechtstadt.

Peer Gynt - Ein dramatisches Gedicht von Henrik Ibsen

Als Henrik Ibsen Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Peer Gynt auf eine verzweifelte
Suche nach sich selbst schickte, befand sich die Welt an einem dramatischen Scheideweg.
Der unaufhaltsame Umbruch von der bäuerlichen Agrar- zur Industriegesellschaft
hatte längst begonnen, den Menschen in seiner ursprünglichen Selbstgewissheit
und Psyche zu deformieren. An die Stelle einer höheren »göttlichen« trat nun die
neue ökonomische Ordnung des homo oeconomicus mit all ihren sozialen Verwerfungen.
Am Beispiel der vom ökonomischen Abstieg gezeichneten Familie Peer Gynts exerziert
Henrik Ibsen verschiedene Strategien von Weltflucht durch. In immer phantasievolleren
Tagträumen flüchtet sich der von der Gesellschaft ausgestoßene Peer Gynt in
eine Welt, in der er selbst, von einem brutalen Egoismus getrieben, zum Autor seiner
eigenen Wunschbiografie zu werden scheint. Ihm gegenüber stellt Ibsen Solvejg,
scheinbar nicht minder Produkt von Peer Gynts überbordender Phantasie, als ideale
Verkörperung einer absoluten von Selbstlosigkeit und Tugendhaftigkeit gekennzeichneten
Liebe.
Intendant André Bücker inszeniert Peer Gynts Suche nach sozialer Anerkennung und
unbedingter Liebe als alptraumhaftes Vexierspiel. Dabei schickt er gleich sechs Personifikationen
seines Protagonisten auf einen rauschhaften Trip aus zauberischen
Klängen und virtuellen Realitäten. Musikalisch begleitet wird er dabei von Eva Gold
und Girisha Fernando von der Augsburger Band »Misuk«, die eigens für diese Inszenierung
Texte aus »Peer Gynt« neu vertonten.

»Tatort Augsburg«: raus aus dem hoffmannkeller, rein ins Stadtgeschehen, Premiere am 06.10. um 20.00 Uhr im Hoffmann Keller

Das Theater Augsburg erobert neue Stadträume mit mobilem Theaterformat
Augsburg wird Tatort-Stadt! David Ortmann, fester Hausregisseur am Theater
Augsburg, holt die beliebte Krimireihe als mobiles Theaterformat in die Lechmetropole.
Die erste Folge »Zu neuen Ufern« feiert am 6. Oktober Premiere, Start ist im
hoffmannkeller. Sie zieht die beiden frisch nach Augsburg versetzten Ermittler in einen
berüchtigten Stadtteil und tief in die Geschichte des Ortes hinein. Verraten wird
nur so viel: Es wird in Augsburgs Unterwelt gefahndet.
Noch nie war der »Tatort« so unmittelbar, niemals zuvor war das Publikum der Aufklärung
des Falls so nah!
Tatort Augsburg
In deutschen Wohnzimmern gibt es eine letzte Sicherheit: den »Tatort«! Nach dem
sonntäglichen Wetterbericht versammeln sich Millionen am Lagerfeuer der Nation,
um mitzufiebern und wechselnde Ermittler bei der Täterjagd zu beobachten. Dabei gilt
von Weimar bis Münster, von München bis Köln: Glücklich preist sich jede Stadt, die
ihren eig’nen Krimi hat ... Vor Ort aber blickte man bislang neidisch in die Röhre –
kein Tatort Augsburg war in Sicht. Ist (oder braucht) aber nicht auch Augsburg ein
heißes Pflaster? Und überhaupt: Runter vom Sofa! Warum den Kommissaren zuschauen,
wenn man auch selber mitermitteln kann? Bei »Tatort Augsburg« wird nicht
auf der Guckkastenbühne eines Theaters gefahndet, sondern im wohl aufwendigsten
Bühnenbild überhaupt: in den Straßen, Häusern, Stadtteilen der Lechmetropole, ja sogar
im öffentlichen Personennahverkehr! Immer wieder schlagen projizierte Videosequenzen
und liebevolle Stereotype den Bogen zur beliebten Fernsehserie.
Nach erfolgreichen Ermittlungen am Anhaltischen Theater Dessau sowie beim
Matchbox-Festival der Metropolregion Rhein-Neckar findet dieses mobile Krimiformat
nun in Augsburg eine neue Heimat. In der Spielzeit 2017/18 laufen drei Folgen,
von denen eine das Publikum sogar mit historischen Kommissaren in eine längst vergangene
Ära entführt. »Tatort Augsburg« ist ein partizipatives Stadtformat. Wir freuen uns über die Beteiligung
von Vereinen und Einzelpersonen aus Stadt und Region – von der Freiwilligen
Feuerwehr bis zu Drohnenbesitzern, von Oldtimer-Liebhabern bis Kampfsport-Vereinen.

Paradiesfluten (Verirrte Sinfonie), Premiere am 08.10. um 18.00 Uhr in der Brecht Bühne

Ein Stück über uns, über unsere Gesellschaft, über unsere Gegenwart
unsere Gesellschaft droht in paradiesischen Materialfluten zu ertrinken. Kapitalismus,
Klimawandel, Flucht – der Raubbau des Menschen an sich selbst wirft Fragen auf, denen
wir uns heute nicht mehr entziehen können. Thomas Köcks »paradies fluten
(verirrte sinfonie)« feiert am 8. Oktober Premiere in der brechtbühne und beleuchtet
die großen Themen unserer Zeit. Inszeniert wird die sprachgewaltige Bilderflut von
der Hausregisseurin Nicole Schneiderbauer, die in ihren Arbeiten formale Grenzen
zwischen Schauspiel, Tanz und Performance auslotet. Sie untersucht Köcks Stück gemeinsam
mit ihrem Ensemble mit unverstelltem Zugriff, um seine Flüchtigkeit und
radikale Wandelbarkeit in eine adäquate, sinnliche Bühnensprache zu übersetzen.
paradies fluten (verirrte sinfonie)
Schauspiel von Thomas Köck
Der Kleist-Förderpreisträger Thomas Köck wirft im ersten Teil seiner Klimatrilogie einen
poetischen Blick in das Herzstück spätmoderner Zivilisation. Dabei spannt er einen
Bogen von der Frühphase der Globalisierung bis in unser Heute und erzählt Geschichten
von Kapitalismus, Klimawandel, Demenz und dem Raubbau des Menschen an sich
selbst. Köck legt den Finger in eine große Wunde unserer Zeit, denn »paradies fluten«
ist ein Stück über uns, über die selbstzerstörerische Kraft der radikalen Heutigkeit.
Ein verlassenes Paradies am Ende der Zeit. »aufgescheuchte erinnerungen ohne eigentümer,
falsch erzählte geschichten und längst vergessene möglichkeiten« verdichten
sich zu zwei zentralen Erzählsträngen. Das Tableau vivant einer mitteleuropäischen
Kleinfamilie zwischen Finanz- und Beziehungskrise taucht aus den Erinnerungsmassen
hervor, der Geruch von verbranntem Gummi, das Schicksal der Tochter, eine Tänzerin,
die die Logik der kapitalistischen Selbstoptimierung auf geradezu wahnwitzige
Weise praktiziert. Die Szenerie wechselt nahtlos in den brasilianischen Urwald, zum
Kautschukboom des späten 19. Jahrhunderts. Im Dazwischen fluten Unmengen von
Körpern, bäumen sich auf: im Moment des Versinkens schließlich ein letztes utopisches
Aufblitzen.

Die einzelnen Termine sind hier aufgelistet. (pm/max)

Fotos: Theater Augsburg / Jan Pieter Fuhr

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