Eine einzige, großartige Nacht

"Eine einzige Nacht", der man viele Wiederholungen wünscht: Lisa Fertner und Serzan Celik begeistern im Sensemble Theater.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch bescheidenen Mitteln das Sensemble großes Theater macht. So auch beim neuen Stück "Eine einzige Nacht", das am Samstag Premiere feierte. Die Geschichte der beiden Jugendlichen, die sich zufällig in einer Kneipe treffen, startet passenderweise in der Bar der Spielstätte und führt in den Theaterraum - und selten ist man Darstellern so erwartungsfroh gefolgt.

Diese "einzige Nacht" zwischen ihm und ihr, die sich selbst die Namen Hans und Hannah geben, hat sämtliche Zutaten, die ein großes Drama braucht und geht mit ihren Mitteln dabei so sparsam um wie ein kluger Finanzminister: Kein Gag, keine dramatische Wendung ist überzeichnet, obwohl es alle Gelegenheit dazu gäbe, die Dialoge wecken mehr als einmal den Wunsch, sich Notizen zu machen, um daraus zu zitieren.

Auf der Basis eines eigenen Stücks von 2001 hat Sensemble-Intendant Sebastian Seidel eine konzentrierte Neufassung geschrieben, die von Regisseurin Gianna Formicone und ihren beiden Darstellern, den Sensemble-Neuzugängen aus München, Lisa Fertner (geb. 1992) und Serzan Celik (geb. 1989), sowie der Musik von Lilijan Waworka kongenial umgesetzt wird. Der fliegende Wechsel zwischen den Gefühlszuständen der Protagonisten, ihre Träume, Gedanken, Tragödien, Wünsche und Probleme werden mit erstaunlich intensivem Spiel und klug eingesetztem Licht, fokussiertem Bühnenbild und atmosphärischer Musik dargestellt, die den Zuschauer von der ersten Minute an fesseln.

Sowohl dem Autor als auch seinen Interpreten ist es gelungen, einfühlsam und präzise die Essenz einer Geschichte zu extrahieren, die in einem wunderbar offenen Schluss kulminiert. Viel Applaus für ganz großes Kino, pardon, Theater! (flo)

Foto: Volker Stock

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