Erst Büchner, dann Techno

Es ist sicher nicht das Stück, das man vom Theter-Ensemble erwartet hätte: Die umtriebige Augsburger Theatergruppe hat sich mit "Leonce und Lena" ausgerechnet das einzige Lustspiel von Georg Büchner vorgenommen, also nicht die bekannte Erzählung "Lenz" oder das oftmals gezeigte Fragment "Woyzeck" des so jung verstorbenen Vormärz-Dichters (1813-1837). Schon allein das erfordert Mut - den die Bande um den künstlerischen Leiter Leif Eric Young bereits so oft bewiesen hat.

Die satirische Geschichte um das Prinzenpaar wider Willen, das in einer sinnentleerten Hofwelt zur Zeit der deutschen Kleinstaaterei auf absurde Art und Weise zusammenkommt, passt in die Spielstätte des Ensembles, den City Club am Kö, wie der Esel aufs Eis. Und dort geht es ihm sichtlich gut: Die von Langeweile und Melancholie geplagten Protagonisten sind vom erneut genialen Bühnenbild gefangen und stelzen auf inhaltlich verschwurbelten, aber sprachlich durchaus ausgefuchsten Dialogen durch den Sumpf des Hoflebens und sind dabei so herrlich tragikomisch, dass im Publikum Kopfschütteln und Kopfrecken schnell zu gespannter Heiterkeit werden und sich im Laufe des Stückes so mancher Besucher vor Lachen kaum halten kann.

Man will bei den "Thetern" das Wort Laiendarsteller eigentlich gar nicht in den Mund nehmen, selbst wenn es freilich zutrifft. Die Truppe präsentiert auch in "Leonce + Lena" ihre bekannte Mischung aus Unverfrorenheit und ergreifender Begeisterung, die auf kleinstem Raum mit durchschlagenden Mitteln mal schnell im Vorübergehen einen Theater-Oldie nicht nur zum Leben erweckt, sondern buchstäblich zum Tanzen bringt. Hier passt einfach alles – nach der Premiere am Samstag musste ganz schnell das Bühnenbild abgebaut werden, schließlich wird hier später tatsächlich noch aufs Heftigste abgetanzt. Und am nächsten Tag wird das Ganze eben wieder aufgebaut. Um es mit Kurt Vonnegut zu sagen: So geht das. (flo)

"Leonce + Lena" ist noch zu sehen am 25. und 27.07. um 20.30 Uhr.

Foto: Theter Ensemble

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