Premiere von Peer macht Lust auf mehr

Erste Inszenierung von André Bücker am Theater Augsburg

Die neue Spielzeit hat just begonnen und so reiht sich für das Theater Augsburg in diesen Tagen Premiere an Premiere. Mit dem vom neuen Intendanten André Bücker persönlich inszenierten dramatischen Gedicht „Peer Gynt“ von Hendrik Ibsen gab am Freitag nun auch das Schauspiel-Ensemble seine erste Visitenkarte ab.

Auf dem Weg in den Martini Park begibt sich der Theaterbesucher seit dieser Spielzeit auf die Suche nach der neuen Augsburger Spielstätte und darf dafür das wunderschöne alte Industrieareal im Textilviertel durchqueren. Geleitet wird er in der Dunkelheit von bunten Leuchtstreifen, welche am Boden in die Straßen verlegt wurden, um den Gästen die Suche zu erleichtern. Am Ende dieser Lichtspur und im Herzen des Areals öffnen sich die Türen des neuen Theaters im Martini Park, das über 600 Plätze und sämtliche Voraussetzungen bietet, die man in den nächsten Jahren bis zur Fertigstellung des Stadttheaters für große Kultur in Augsburg benötigen wird. Durch das Ambiente und das breit gefächerte Catering hat man als Besucher beinahe den Eindruck, auf einem Festival-Gelände gelandet zu sein.

Peer Gynt hat in André Bückers erster Augsburger Inszenierung keine Leuchtstreifen zur Verfügung, die ihm bei der langen und exzessiven Suche nach dem Sinn seines Daseins helfen könnten. Bücker lässt den norwegischen Bauernsohn dafür gleich in sechsfacher Besetzung durch sein Leben schlittern und den inneren Frieden erst finden, als er nach einer langen Odyssee durch die weite Welt wieder zuhause bei seiner Jugendliebe Solvejg angekommen ist. Die sechs Darsteller des Peer Gynt verkörpern in der Augsburger Inszenierung die verschiedenen Lebensabschnitte des Protagonisten und jeder einzelne Schauspieler schafft es, diesen auch seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Mit aufwändigen Video-Sequenzen auf mehreren gut durchdachten Projektionsflächen beeindruckt das Bühnenbild, ohne aber zu sehr von den schauspielerischen Darbietungen abzulenken. Die Inszenierung ist sehr modern und sorgt dafür, dass die Spielzeit von über drei Stunden in keiner Phase Längen hat und beinahe wie im Flug vergeht.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit ist eines klar: Der neue Intendant möchte Theater in Augsburg für Augsburg mit einer lokalen Komponente machen und bezieht dafür neben den Theaterleuten fast immer auch Künstler aus Augsburg mit ein. Für die musikalische Komponente in Peer Gynt hat er also die Band „Misuk“ ausgewählt. Und die Musiker haben das Stück nicht nur vertont, sondern passen in der Besetzung mit Gesang, Gitarre/Bass, Cello und Schlagzeug auch perfekt zu dieser Inszenierung. Sängerin Eva Gold brilliert durch ihre unglaubliche Stimme und darf als Ingrid soagar in das schauspielerische Geschehen mit eingreifen. Die musikalisch untermalten Parts sind die intensivsten Teile der Augsburger Peer Gynt-Inszenierung. Peer Gynt macht Lust auf mehr und die Theaterlandschaft Augsburgs hat sich schon jetzt deutlich gewandelt. Und nicht zu ihrem Nachteil! (max)

Fotos: Theaterfotograph Jan Pieter Fuhr

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Kommentare

Dieser überaus fundierten Kritik kann ich mich zu 100% anschliessen.

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