Premiere von "Roxy und ihr Wunderteam" im martini Park

Gelungene Premiere für die Fußball-Operette "Roxy und ihr Wunderteam"

Das Theater Augsburg und sein neuer Intendant André Bücker gehen interessante Wege, um sich für möglichst viele Augsburger zu öffnen. Auf eine vielleicht mehr sportlich als kulturell ambitionierte Zielgruppe hat es Paul Abrahams weitgehend unbekannte Operette "Roxy und ihr Wunderteam" abgesehen, die am vergangenen Samstag ihre gelungene Premiere im Theater im martini Park feierte.

Alle Zeichen standen auf Fußball, schon beim Eintreten ins Theater blickte man auf die Galerie der Deutschen Fußball-Nationalspieler, die 2017 bei einer fiktiven WM in Ungarn soeben erst den Titel für ihr Land erringen konnten. Tipp Kick-Felder und Interview-Wände zierten die Räumlichkeiten in der ehemaligen Fabrikhalle, einige Besucher hatten sich sogar die eigens dafür produzierten Theater-Fanschals mit der Aufschrift "You'll never walk alone" und andere Fußball-Devotionalien um den Hals gebunden.

Eine Gala des DFB anlässlich des WM-Sieges eröffnete den Abend. Das Orchester spielte zunächst unsichtbar von der Hinterbühne und wurde wie die Sänger via Lautsprecher in den Saal übertragen. Ein großes Aha-Erlebnis der Aufführung war die Stelle, als sich der hintere Vorhang öffnete und man die Augsburger Philharmoniker sehen konnte, die im Stile einer Gala-Bigband in einem zauberhaften Licht am Horizont der Bühne regelrecht erschienen.

Im Rückblick erzählt die Inszenierung Bergers auf eine launige Art und Weise, was bei der WM hinter den Kulissen tatsächlich alles geschehen war: Der schottische Funktionär Sam Cheswick vereinbart mit DFB-Chef Franz Baron ein schmutziges Geschäft, in dem Christiano Hatschek, Kapitän der deutschen Mannschaft, mit seiner Homosexualität erpresst werden soll. Baron wird von Jimmy Hartwig gespielt, der als ehemaliger Nationalspieler schon vor Jahren ins Schauspielfach gewechselt ist und der Augsburger Operette eine breite Öffentlichkeit verschaffen soll.

Hauptdarstellerin Roxy möchte als verdeckte Journalistin die Missstände innerhalb der Fußballszenerie aufdecken, verliebt sich am Ende aber in den Jungnationalspieler Philipp Gjurka vom FC Augsburg.

Unmenschliche Bedingungen der Arbeiter beim Stadionbau in Katar, Bestechlichkeit unter den Fußballfunktionären und Spielern, Untreue, sexuelle Ausschweifungen und Homosexualität innerhalb des Fußballzirkus, all diese Missstände werden zum Thema der Augsburger Inszenierung, ohne allzu tief in die Materie einzusteigen.

Am Ende des Abends geht man jedenfalls nach einem kurzweiligen und launigen Abend zufrieden und bestens unterhalten aus dem Theater im martini Park, genau so, wie man es sich zuvor auch von einer guten Operette erwartet hat. (max)
Bild: Jan-Pieter Fuhr

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