Ein Wink des Himmels?

Claus Gebhardt fällt auf dem Grenzenlos-Festival auf wie der berühmte bunte Hund: Er ist der einzige weit und breit in Anzug und Krawatte. Was nicht heißen soll, dass dem Stadtwerke-Geschäftsführer das bunte Treiben auf dem Gaswerksgelände nicht gefällt. Ganz im Gegenteil. Das Gaswerk ist seit seiner Stillegung 2001 ein vielgelobtes Problemkind – schön, aber dank seiner Mitgift einfach nicht unter die Haube zu bringen.

Gebhardt nannte am Donnerstag auf der Diskussion zur Zukunft des Gaswerks im Rahmen des Grenzenlos-Festivals nur einen kleinen Ausschnitt aus den bisherigen Bewerbern: Vom Hotel bis zum Europazentrum der Buddhisten war alles dabei – und allen war es zu teuer. Seine Lieblingslösung wären Firmen im Stile des derzeit entstehenden Innovationsparks gewesen, aber warum sollten sich diese Highpotentials in ein aufwendig zu sanierendes Korsett stecken lassen, wenn ihnen die grünen Wiesen allerorten nachgeschmissen werden? Doch: "Wir fühlen uns dem Gaswerk und seiner historischen und europaweit einzigartigen Substanz verpflichtet", bekannte Gebhardt.

Jetzt soll's also die Kultur richten, besser gesagt die Augsburger Kreativszene in Gestalt des Kulturpark Wests. Der muss 2017 höchstwahrscheinlich seine Räumen in der ehemaligen Reese-Kaserne verlassen und ist auf der Suche nach einem neuen – gerne auch dauerhaften – Zuhause.

Als Kulturpark-Vertreter bildete Geschäftsführer Peter Bommas den Gegenpart in der von a3-Kultur-Herausgeber Jürgen Kannler moderierten Runde. Wobei die beiden Geschäftsführer wenig bis gar nichts trennt, zumindest in dieser Frage. Wäre da nicht das leidige Geld: Die ersten Künstler würden bereits heute ihre Staffeleien im Gaswerk aufstellen. An der generellen Eignung des Geländes bestehen kaum Zweifel: Das Gaswerk bietet reichlich Platz für groß- und kleinteilige Nutzungen und wenig Nachbarprobleme im Gewerbegebiet.

Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, wie viel Geld in die Hand genommen werden müsste. "Dann müssen wir sehr, sehr kreativ sein", so Gebhardt, der mit mindestens 20 Millionen Euro Kosten rechnet. Die Hälfte könnte demnach über Zuschüsse aufgetrieben werden, vier bis fünf Millionen würden die Stadtwerke beisteuern, in dem die aktuellen Unterhaltkosten von jährlich rund einer halben Million kapitalisiert und vorzeitig eingebracht würden. Bleibt eine Lücke von mehreren Millionen.

"Wir würden es sehr begrüßen, mit dem Kulturpark zusamnmenzukommen", betonte Gebhardt mehrmals und bezeichnete den Kreativverbund sogar als "Wink des Himmels" und "Keimzelle", die andere Nutzer und Mieter anziehen könnte. Für den Wunschpartner würde sich einiges ändern: "Bis jetzt waren alle unsere Nutzungen temporär angelegt", so KuPa-Geschäftsführer Peter Bommas, "mit 8000 Quadratmetern hätten wir hier ein Drittel mehr Fläche als aktuell und quasi 'auf ewig'. Außerdem wäre hier eine rein gewerbliche Nutzung möglich, wir könnten also auch andere Mieter aus der Kultur- und Kreativwirtschaft gewinnen."

Bis es zu einer Entscheidung kommen kann, muss nun die Studie über Altlasten, Statik, Sanierungs- und Ausbaukosten etc. abgewartet werden, die im Laufe der nächsten Monate erwartet wird. Und trotz aller Bedenken und Skepsis: Mit den Stadtwerken hätte der Kulturpark quasi das goldene Los gezogen, einen stärkeren Partner und Fürsprecher kann man sich in Augsburg kaum wünschen. "Wir wollen in den nächsten sechs Monaten da durch", so Claus Gebhardt, der unerwartete Unterstützung aus dem Publikum erhielt: Ein langjähriger Stadtwerke-Mitarbeiter riet den Kulturparklern dringend, "diese einmalige Chance zu nutzen".

Ein Wermutstropfen bleibt: Der ebenfalls im Kulturpark West beheimatete Musikclub Kantine spielte in den Gaswerksplanungen von Anfang an keine Rolle. Kantine-Mitbetreiber Sebastian Karner verfolgte die Diskussion interessiert, aber etwas desillusioniert in den hinteren Zuschauerreihen und wirkte ein bisschen wie der Zweitliga-Torschützenkönig, den sein Verein nach dem Aufstieg mit einem Blumenstrauß verabschiedet...

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