Stichwort: Eins, zwei, drei, vier!

"Eins, zwei, drei, vier, es ist so schön bei dir" – das dürften am Mittwochabend noch einige Taxifahrer, Wirte, Mitbewohner und Lebenspartner vorgesungen bekommen haben. Knapp zwei Jahre nach ihrem legendären Auftritt beim Modular 2015 kehrten Wanda zurück in die Stadt, die seinerzeit den Albumtitel "Amore" zum Festivalmotto gekürt hatte und damit im Februar 2016 sogar gegen den Auftritt von AfD-Chefin Frauke Petry im Rathaus demonstrierte. Nur wenige Meter entfernt von dem Park, in dem 2015 die Bühne stand, enterten die fünf Wiener nun die Bretter in der ausverkauften Kongresshalle.

Schade, dass Sänger Michael Marco Fitzthum zu all der Vorgeschichte nichts sagte, man hofft ja als Fan immer ein bisschen, etwas Besonderes zu sein. Dass Wanda auch diesen Auftritt in Augsburg in Erinnerung behalten werden, lag an etwas anderem: Nach rund einer Stunde, als man sich gerade munter hüpfend auf den Höhepunkt - Stichwort: "Eins, zwei, drei, vier" - vorbereitete, blieb der Sound weg. Lediglich das Schlagzeug war noch zu hören, zunächst dachte man an einen gelungenen Gag. Es war keiner.

Fünf Minuten ohne Anlage, ohne Mikro, ohne Verstärker, können eine verdammt lange Zeit sein in einer ausverkauften Halle, der absolute Härtetest für eine Band. Da sind Wanda natürlich Profis – und ihr Publikum auch, Stichwort: "Eins, zwei, drei, vier". Bald singen die Fans den ikonischen Satz aus dem gleichnamigen Hit vom zweiten Album "Bussi", der Schlagzeuger trommelt dazu, der Frontmann hält den Kontakt zu die vorderen Reihen. Alles gut.

Wenig später kehrt die Musik zurück und Michael Marco Fitzthum lässt sich auf Händen durch die Halle tragen. Da geraten sogar die Leute auf dem Balkon in Stimmung. Die Band macht es selbst weniger textsicheren Besuchern leicht: Der Rhythmus ist im Prinzip eh immer der gleiche, die Refrains kann man, zumindest von der Melodie her, beim zweiten Mal schon mitsingen.

Wanda sind wie ein Wiedersehen mit alten Kumpels zur Weihnachtszeit. Jeder hat Geld und frei, ansonsten braucht man nicht viel und redet noch weniger, Hauptsache die Theke ist in Reichweite – witzigerweise ist die altehrwürdige Kongresshalle genau der richtige Ort dafür: Tanzen, die Band filmen, sich selber filmen, mitsingen. Der Boden schwingt ab dem ersten Ton und dass mit nur einer Zugabe der Auftritt nach ziemlich genau anderthalb Stunden vorbei ist, scheint keinen zu stören. Die Stadt wartet: "Eins, zwei, drei, vier, es ist so schön bei dir!"
(flo)

Foto: Bernd Rottmann

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