"Eine interessante Frage"

In einer fast zweistündigen Pressekonferenz am Freitag haben Vertreter von Stadtspitze, Stadtwerke und Thüga ihre Position zur geplanten Zusammenlegung von Erdgas Schwaben und der Energiesparte der Stadtwerke dargestellt. Dabei unterstrich OB Kurt Gribl noch einmal seine Vorbehalte gegenüber des von Attac Augsburg initiierten Bürgerbegehrens, das seiner Meinung nach unzulässig ist.

Man hat von der Stadtregierung schon öfter die Worte "historisch" und "Jahrhundertentscheidung" gehört und das prominent besetzte Meeting, dessen Dauer und das ausgelegte Promomaterial (siehe Bild) verdeutlichten - und sollten das wohl auch – welche Wichtigkeit die Verantwortlichen den Fusionsplänen beimessen. Während Befürworter von bis zu elf Millionen Euro "Gewinnpotenzial" sprechen, befürchten Gegner einen Ausverkauf von "Augsburger Tafelsilber" und eine Gefährdung der Querfinanzierung des ÖPNVs.

Der Streit entzündet sich dabei vornehmlich an der Thüga AG, die 65 Prozent an Erdgas Schwaben hält und mit einem Anteil zwischen 25 und 30 Prozent am neuen "gemeinsamen Unternehmen" beteiligt wäre, in das die Stadtwerke Holding ihre Sparten Energie und Netze einbringen soll. Die Bereiche Verkehr und Wasser wären davon nicht betroffen, wie Gribl und Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer betonten. Deshalb sei auch die Fragestellung des Bürgerbegehrens "irreführend", in der u.a. von allen vier Stadtwerke-Töchtern (Energie, Netze, Verkehr, Wasser) die Rede ist.

Als Vertreter der "großen Unbekannten" war Gerhard Holtmeier aus der Geschäftsführung der Thüga AG angereist. Die Thüga sei kein Konzern, so Holtmeier, sondern ein Minderheitsgesellschafter, der Anteile an rund einhundert Stadtwerken in ganz Deutschland hält, aber keinen Einfluss auf unternehmerische Gestaltung nehmen würde. Seinen Worten zufolge ist die Thüga - verkürzt - eine Plattform für Materialbeschaffung, Vertrieb und Wissenstransfer, von der sich "jeder rausnehmen kann, was er will", so Holtmeier, der den "sehr transparenten" Diskussionsprozess in Augsburg ausdrücklich guthieß.

Dieser Meinung wollte sich OB Kurt Gribl nur bedingt anschließen, der anschließend in einem sehr emotionalen Statement die Initiatoren des Bürgerbegehrens, namentlich den Augsburger Attac-Sprecher Bruno Marcon, scharf angriff, in dem er u.a. die Dachorganisation kritisierte: "Wer weiß denn, wie die Strukturen bei Attac genau aussehen?" Wobei der CSU-Politiker auch auf die im Oktober 2014 aberkannte Gemeinnützigkeit der Nichtregierungsorganisation hinwies: "Eine interessanten Frage, ich behaupte nichts dazu", so Gribl.

Eine weitere interessante Frage ist sicherlich, wie die von vornherein ausgeschlossenen betriebsbedingten Kündigungen vermieden werden können, die bei den angestrebten Synergieeffekten zwangsläufig zum Thema werden dürften. Darauf antwortete Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmayer mit einem erstaunlich ehrlichen wenn auch wenig konkreten: "Das wird ein spannendes Unterfangen."

Als abschließende Botschaft an die Bürger und nicht zuletzt die Stadträte bat Ob Gribl darum, sich mit dem Thema ebenso intensiv auseinanderzusetzen wie er selbst. Gelegenheit dazu besteht zum Beispiel beim "Energiekongress" im März im Rathaus, auf dem die Zukunftsleitlinien der Stadtwerke diskutiert werden sollen - die Referenten stellen Stadtwerke und Erdgas Schwaben. (flo)

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