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Nimm zwei
Zu behaupten, die ganze Stadt hätte mit Spannung auf diesen Bericht gewartet, wäre wohl übertrieben, nichtsdestotrotz dürfte der Abschlussbericht der Popkultur-Evaluierungs-Kommission wieder für heiße Diskussionen sorgen. Entscheidendes Fazit der Expertenrunde: Sinnvoll wären zwei städtische Stellen, eine für Jugend- und Popkultur und eine für Kultur- und Kreativwirtschaft.
Ziemlich genau zwei Monate nach seiner ersten Sitzung hat das Gremium aus Markus Becker (Downtown), Michael Bernicker (Ex-Kuki-Vorstand), Peter Grab, Frank Mardaus (SPD Kultur), Stefan Sieber (Modular), Horst Thieme (Poetry Slam) und Thomas Weitzel (Leiter Kulturamt) - OB-Referent Uli Müllegger und Wirtschaftsreferentin Eva Weber waren Berater - am Donnerstag die Ergebnisse zunächst den Mitgliedern von Kultur und Wirtschaftsauschuss vorgestellt.
In ihrem neunseitigen Abschlussbericht empfehlen die Teilnehmer der Politik, "in den Bereichen der Jugend- und Popkultur sowie Kultur- und Kreativwirtschaft die Chance zu nutzen, mit zwei selbständigen Planstellen aktiv gestaltend tätig zu sein".
Und warum? "Das Gremium sieht durch die Stärkung der beiden Aufgabenfelder enormes Potenzial für die zukünftige sozio-kulturelle Entwicklung der Stadtgesellschaft, für den Wirtschaftsraum und die Lebensqualität in der Stadt Augsburg", heißt es in dem Bericht, den ihr hier nachlesen könnt.
"Wir haben festgestellt, auch anhand von Beispielen anderer Städte, wie viel der Popkulturbeauftragte tatsächlich leisten muss, dazu bräuchte man Superman. Kreativwirtschaft ist ein Wachstumsmarkt, unserer Meinung nach wird sich eine Förderung für die Stadt auch finanziell lohnen, wenn es uns gelingt, z.B. die Hochschulabgänger in Augsburg zu halten", erklärt Gremiumsmitglied Stefan Sieber.
Die ersten Reaktionen aus der Politik sind positiv. "Es war gut, dass Fachleute über die Frage diskutiert haben, welche Notwendigkeiten für eine Unterstützung der Szene bestehen. Daraus kann jetzt eine sinnvolle Konstruktion entwickelt werden", so Verena von Mutius von der Augsburger Grünen-Fraktion.
Die Pro Augsburg-Stadträte Beate Schabert-Zeidler und Rolf Harzmann können es sich nicht verkneifen, ihren Gegnern verbal die Zunge rauszustrecken: "Sollte von den Kritikern jemand die Popkulturstelle eingespart haben wollen, sieht sich nun dieser mit einer Erweiterung auf zwei Stellen konfrontiert, was immerhin ein unabhängiges Fachgremium als notwendig erachtet."
Wie es nun tatsächlich weitergeht, ob und wann der neue Popkulturbeauftragte kommt und ob wirklich eine Stelle für Kreativ- und Kulturwirtschaft eingerichtet wird, ist völlig unklar. "Der Bericht wird selbstverständlich in den zuständigen Gremien zu behandeln sein inklusive der Klärung der weiteren Vorgehensweisen. Dazu ist es notwendig, zunächst den Fraktionen die nötige Zeit zu geben, die Ergebnisse in diesen zu diskutieren", so Kulturreferent Peter Grab auf Anfrage der Neuen Szene.
Foto: Anja Friedl/Stadt Augsburg, v.l.: sitzend: Horst Thieme, Peter Grab, Michael Bernicker, Uli Müllegger, Frank Mardaus, Markus Becker, stehend: Thomas Weitzel, Eva Weber, Stefan Sieber






