Schwer ist leicht was

Von der Industriebrache zum Kreativareal - die Umzugsvereinbarungen zwischen Kulturpark und Stadt sind ein weiterer Schritt zur Entwicklung des Gaswerks

"Umzug aufs Gaswerk: Einigung mit Kulturpark-Künstlern erzielt", so lautete die optimistische Überschrift zur Pressekonferenz am heutigen Dienstag. Dass diese Einigung allerdings noch nicht bis ins letzte Detail geht, wurde auf dem gut besuchten Termin ebenfalls schnell klar.

Dass der Kulturpark West (KuPa) bis 2019, statt wie ursprünglich geplant 2017, auf dem Gelände der ehemaligen Reese-Kaserne bleiben darf, steht schon länger fest. Nun geht es darum, die Künstler und Musiker aus dem Kreativareal an der Sommestraße in den kommenden zwei Jahren ins Gaswerk umzuziehen. Ganz abgesehen von den baulichen Herausforderungen, die die Stadtwerke meistern (und bezahlen) müssen, kein großes Ding, sollte man meinen. Doch Misstrauen gegenüber einer städtischen Trägerschaft und Verlustängste wegen bestehender Strukturen haben das Ringen um die Umzugsmodalitäten zu einem zähen Prozess gemacht, bei dem "auch mal gestritten wurde", wie Stadtpressesprecher Richard Goerlich berichtete.

In Anwesenheit von Kulturreferent Thomas Weitzel, Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg und den KuPa-Vertretern Peter Bommas und Max Schmerling stellte Goerlich ausführlich die getroffenen Vereinbarungen vor, die Ende März vom Stadtrat abgesegnet werden sollen. Kurz gefasst: Die Stadt mietet von den Stadtwerken knapp 5.000 Quadratmeter Fläche auf dem Gaswerksgelände, die wiederum an Bands und Künstler weitervermietet werden zum Preis von 4,99 Euro pro Quadratmeter kalt. Diesen Sonderpreis ermöglicht die Stadt durch einen Zuschuss von jährlich 100.000 Euro.

Die umzugswilligen KuPa-Mieter konnten bis Mitte Januar eine Absichtserklärung ausfüllen und haben von der Stadt mittlerweile eine Bestätigung bekommen, ein entsprechendes Angebot auf dem Gaswerk nutzen zu können. Die bisher bestehenden Strukturen der Kulturpark West gGmbH und des Vereins Kuki e.V. ziehen allerdings nicht mit um, zumindest nicht als Vermieter. "Das hat auch beihilferechtliche Gründe", erklärte Kulturreferent Weitzel. "Wir können die Vermietung entweder selber machen oder wir müssen sie ausschreiben."

Sicher ausgeschrieben wird der Liveclub, der auf dem Gaswerksgelände entstehen soll, und zwar von einer neutralen Instanz. Wie Kantine-Mitbetreiber Sebastian Karner berichtete, läuft die Ausschreibung seines Wissens noch nicht. Der Club, der aktuell im KuPa beheimatet ist, bekommt also keine Umzugsgarantie, man werde jedoch an der Vergabe teilnehmen, so Karner.

Als erste Anlaufpunkte sollen bereits Mitte 2018 Ateliers im Ofenhaus entstehen, das als Ersatz für die Brechtbühne geplant ist. Der gesamte Umzug soll bis Ende 2019 bewerkstelligt sein.

Die Stadt wünscht sich laut Goerlich und Weitzel vermehrt Synergieeffekte und Partnerschaften zwischen Hoch- und Subkultur und will die Gestaltung des Geländes "nicht von oben inszenieren". Die Büros der beiden Beauftragten für Popkultur und Kreativwirtschaft sollen ebenso hier untergebracht werden wie das FCA-Fancafé und das Modular-Büro des Stadtjugendrings. Ob das Modular-Festival selbst bereits 2018 dort stattfinden kann, ist noch nicht sicher, aber geplant.

Die KuPa-Vertreter beschäftigt derweil die Mietpreissicherheit und die räumliche Nähe im Gaswerk im Gegensatz zu den eher weitläufigen und freien Verhältnissen auf dem jetzigen Gelände. "Da besteht noch Redebedarf", so Künstlervertreter Max Schmerling. "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge" sieht KuPa-Geschäftsführer Peter Bommas die Entwicklung: "Wir sind froh, dass es endlich Klarheit gibt und es gelungen ist, ausreichend Flächen zu schaffen. Auch die preisliche Gestaltung begrüßen wir." Da der Platzbedarf im Augsburger Raum aber größer sei als die geplanten Flächen im Gaswerk und es Künstler gebe, die auch wegen der kommunalen Struktur nicht mit umziehen möchten, suche man weiter nach alternativen Flächen, so Bommas.

Von einem Verbleib von Teilen des Kulturparks am jetzigen Standort ist indes keine Rede mehr. "Der Wohndruck in Augsburg ist extrem hoch, wir brauchen schnellstmöglich die Flächen", so Goerlich. Dass der Umzug abgesehen von den offensichtlichen Reizen des Industriedenkmals auch ganz handfeste Vorteile bietet, erklärte Kulturreferent Thomas Weitzel: "Wir werden keine nachbarschaftlichen Probleme haben." Die Gestaltung der "kulturindustriellen Ikone", um die "uns die Münchner beneiden", brauche aber Zeit, so Weitzel. Wie gesagt, schwer ist leicht was.
(flo)

Der Plan unten zeigt die möglichen Flächen für eine künstlerische bzw. kreativwirtschaftliche Nutzung (Foto: Geoportal Augsburg); Foto oben: Stadtwerke Augsburg

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