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Augsburg im Februar, an einem McDonalds-Tisch sitzt ein entspannter junger Mann und trinkt Bier. Gute Idee eigentlich, da macht man gerne mit und redet mit Matze K. über Violent-Dancing, Idealismus und das Leben an sich.
Neue Szene: Worauf wartest du?
Matze: Eigentlich auf gar nix, aber ich muss mir noch zwei Hosen kaufen, davor muss ich mir aber ein Bier gönnen, sonst überleb' ich das Einkaufen nicht, da krieg' ich immer Kopfweh davon. Ich hab mir seit zehn Monaten nichts mehr zum Anziehen gekauft, aber jetzt sind mir zwei Hosen kaputtgegangen.
Wie das?
Beim Tanzen, da hab ich paar High-Kicks eingebaut, da ist es passiert, was doof ist, die erste Hose war im Schritt aus Elastan, die zweite auch.
Ein High-Kick, wie beim Kickboxen?
Ja, das ist so eine spezielle Tanzart. Die Pogorichtung, so was wie Violent Dancing, da imitiert man Kampfsportarten beim Tanzen, aber man tritt und schlägt am Gegner vorbei. Manche lernen extra dafür Kampfsportarten.
Trifft man da auch ab und zu?
Sehr selten!
Selber schon getroffen worden?
Ja, von einem Nichttänzer, der ist besoffen reingetorkelt.
Was machst du sonst so?
Momentan lieg' ich rum.
Du liegst einfach so rum?
Ja, auf dem Sofa. Ich hab bis vor Kurzem ein Sozialpraktikum gemacht und jetzt lieg' ich gerne mal rum. Danach will ich studieren, da lachst du dir einen ab, wenn ich das sage: Germanistik und Philosophie.
Ach, es gibt lachhaftere Fächer. Was willst du denn beruflich machen?
Am liebsten würde ich Schriftsteller werden.
Worüber schreibst du denn?
Über alles Mögliche.
Also z.B. über... Teenies auf dem Ponyhof.
Das hört sich ja pervers an.
Das ist jetzt deine Assoziation, schon mal öffentlich was vorgelesen?
Einmal, Workshops hab ich auch mitgemacht, aber ehrlich gesagt nur wegen den Mädels.
Warum schreibt man sonst?
Weil ich sonst ganz nutzlos wär', das Schreiben hab ich als Lebensplan in der Hinterhand.
Hast du einen Lieblingsspruch?
Seien wir ehrlich, das Leben ist immer lebensgefährlich.
Gefährlich wahr, schon mal am Leben verzweifelt?
Ich hatte leicht depressive Phasen.
Wie bist du aus den Phasen rausgekommen?
Sport, Sport, Sport, irgendwas Körperliches machen.
Bist du momentan glücklich?
Heikle Frage, Glück ist für mich etwas, was sich einstellt, dem ich nicht hinterherjage.
Du jagst dem Glück nicht hinterher?
Nein, ich stelle meine Freiheit immer über das Glück. Meine Selbstbestimmtheit ist mein erstes Ziel, wenn dann Glück hinzukommt, ist es geil, wenn nicht, dann eben nicht.
Manchmal muss man fürs Glück vielleicht Kompromisse machen, in einer Beziehung zum Beispiel.
Wenn man da zu was gezwungen ist, ist es keine schöne Beziehung mehr.
Das sagt sich leicht dahin.
Stimmt.
Wann warst du denn zuletzt glücklich?
Als ich nachts im Straßenlicht nach Hause getanzt bin, ganz nüchtern mit der Musik im Kopf.
Welche Musik?
Ska.
Was wäre so dein gesellschaftliches Ideal?
Also ich kann sagen, dass mein Idealbild wäre, wenn die Menschen durchgehend vernünftig und gut wären - Anarchie.
Sind sie aber nicht.
Ja, man darf es aber auch nicht zu pessimistisch sehen. Das ist auch das Problem mit dem Kapitalismus, dass er durchgehend vom schlechten Menschenbild ausgeht.
Na, so ganz falsch liegt er damit ja auch nicht.
Nicht ganz falsch, nein, aber irgendwann bricht das ganze System zusammen. Dauerndes Wachstum ist einfach nicht möglich. Ich kenne momentan aber auch kein völlig ausgereiftes besseres System. Ich weiß, dass das alles theoretisch klingt. Ich hab auch schon auf dem Bau gearbeitet und weiß, dass man nach einem Tag mit harter Arbeit keinen Bock mehr auf Studenten und Utopisten hat, die irgendwas von Revolution und Systemwechsel erzählen. Man will einfach seine Ruhe und noch ein Bier vor dem Pennen. Ich hab, als ich da gejobbt habe, auch einen unglaublichen Hass auf Leute gehabt, die nicht arbeiten.
Hast du den Hass inzwischen überwunden?
(lacht) Ja, ich muss mich ja nur selber anschauen.
Erzähl mal was, worüber du dich gefreut hast.
Ich war neulich in München und hab eine alte Frau gesehen, die hatte eine Papiertasche in der Hand, hat sie abgestellt, sich gestreckt, und als sie weitergegangen ist, war ein Häschen auf den Boden gesprayt. Die hatte in der Papiertasche eine Spraydose und ein Loch in Häschenform auf dem Boden der Tasche, durch das sie dann gesprayt hat.
Ist nicht wahr.
Doch wirklich, das war so, das fand ich total absurd und gleichzeitig wunderschön.
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Geschrieben von me am Mittwoch, 29.02.2012
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