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Haftcouture zeigt die Kreativität bayerischer Häftlinge
Man kennt Gefängnisse als trübselige Stätten der Vereinheitlichung: einheitliche Zellen, einheitliche Besuchszeiten, einheitliches Essen und nicht zuletzt einheitliche Kleidung. Zumindest letzteres widerlegt der Wettbewerb Haftcouture: Bei einer illustren Modenschau im Textilmuseum Augsburg (tim) präsentierten Angestellte des Justizvollzugs als Models 48 extravagante Kleidungsstücke, entworfen von Gefangenen. Mehr als 400 Häftlinge hatten sich an dem bayernweiten Design-Wettbewerb beteiligt. Die besten fünfzig Entwürfe schafften es, realisiert von den gefängniseigenen Schneidereien, auf den Laufsteg im tim. „Wir können mehr als Tüten kleben“ – so hieß nicht nur ein elegantes Modell der Modenschau, der Satz avancierte auch zum heimlichen Motto des Abends. Fast fühlten sich die Besucher um Justizministerin Dr. Beate Merk als Schirmherrin der Veranstaltung wie bei den großen Modewochen in Mailand oder Paris. Besonders das Thema Freiheit spielte immer wieder eine Rolle in den Entwürfen der Gefängnisinsassen. Das Modell „Deutsche Freiheit“ zum Beispiel trug Gartenzwerge und Gänseblümchen auf dem Stoff, „Bayerische Freiheit Sommer“ war ein luftiges Kleidchen aus ausgemusterten Dienstabzeichen der Justizvollzugsanstalten. Das Siegermodell des Wettbewerbs schließlich kam aus Aichach: Insassin Anne M. hatte sich für ihren luftig-asiatischen Entwurf „Gesha“ vom Kinofilm „Die Geisha“ inspirieren lassen. Der Film erzählt die teils unheilvollen Erlebnisse einer japanischen Künstlerin.
Zum Schluss fasste Justizministerin Dr. Beate Merk zusammen, was viele Besucher dachten: „Haute Couture oder Haftcouture – das schenkt sich nichts!“. Nur eins war anders als in der wirklichen Modewelt: Keiner der Designer konnte anwesend sein. (sr) |
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Geschrieben von sr am Freitag, 29.01.2010
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