|

|

|
|
|
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
Augsburg im Januar, ständig heißt es: Geh doch mal wieder zum Friseur. Na gut, wieso eigentlich nicht, Friseure sind ja als kommunikative Zeitgenossen bekannt. Ein Gespräch mit dem Friseur Wolfgang S. übers Haare schneiden, Menschen und das Leben an sich.
Neue Szene: Friseure sind ja eifrige Gesprächspartner, weinen sich auch mal Leute bei Ihnen aus?
Wolfgang S.: Ja, das kommt schon vor, dass jemand mit Familienproblemen reden will.
Geben Sie ihnen dann Ratschläge?
Nein, Ratschläge gebe ich überhaupt keine, wenn das dann nicht klappt, dann bin ich am Ende schuld. Das geht gar nicht, ich bin nur dazu da, dass sie gut aussehen. Die Kleidung sollte korrekt sein, der Haarschnitt sollte korrekt sein, da kann man noch so intelligent sein, wenn man nicht gepflegt aussieht, tut man sich in der Gesellschaft schwer.
Außer Einstein.
Ja, aber bei dem weiß man's ja, die Wissenschaftler sind ja alle so bisschen...
Verrückt, ungepflegt?
Exzentrisch.
Was ist denn ein gepflegter Haarschnitt?
Die Ohren müssen z.B. frei sein.
Und wenn man arg große Ohren hat?
Das macht uns aber auch individuell.
Ja, ein dicker Pickel auf der Nase macht auch individuell.
Also bei großen Ohren würde ich keine ganz kurzen Haare empfehlen.
Kurze Haare machen ja auch alt, Thomas Gottschalk mit kurzen Haaren oder Halbglatze, das wär doch komisch.
Nein, nein, da passt der schon auf.
Da müsste man dann halt eingreifen vorher.
Das macht er ja schon.
Wie jetzt, Gottschalk hat ein Toupet?
Das nicht, aber ich habe mal gelesen, dass er Haarverpflanzungen machen lässt.
So was erfährt man beim Friseur. Schon mal eine Frisur total verschnitten, so aus Versehen?
Nein, ich nicht, aber mittlerweile gibt es eh so moderne Frisuren, da ist verschnitten gar nicht unbedingt verschnitten.
Man sagt dann: Das ist modern so?
Wenn jetzt eine Seite kürzer als die andere geschnitten ist, hat man früher gesagt: schief geschnitten ist englisch und englisch ist modern.
Und wenn der Kunde einen Schnitt will, der an ihm voraussichtlich idiotisch aussehen wird?
Ich sage dann, dass ich es nicht empfehlen würde, aber wenn er dann immer noch drauf besteht, dann macht man es.
Mit sadistischer Freude!
(lacht) Das ist eine Unterstellung, aber beim nächsten Besuch sagt der Kunde meistens, dass man das lieber doch nicht mehr machen soll.
Und wenn Sie ihn in der Zwischenzeit auf der Straße sehen, lachen Sie ihn aus.
Man sollte freundlich grüßen, egal, was vorgefallen ist, man kann ja nicht wegschauen.
Wär auch irgendwie ein schlechtes Zeichen, so frisurtechnisch, wenn der eigene Friseur wegschaut, wenn man ihm begegnet.
Ja, das wäre ein starkes Indiz dafür, dass die Frisur nicht optimal ist. Ich habe mich aber schon als Kind oft darüber gewundert, wie schlecht manche Friseure den Kindern die Haare geschnitten haben.
Und in diesem Moment haben Sie sich geschworen: Ich mach's besser, ich werde alle Kinder mit schlechten Frisuren rächen!
Ja, stimmt, wobei ich auch sagen muss, dass ich erst neulich zu Weihnachten eine Karte von einem Kind bekommen habe, auf der stand: Sie sind der weltbeste Frisör!
Rührend.
Das war eine Bestätigung, da dachte ich: Anscheinend bin ich auf dem richtigen Weg.
Hat sich schon mal ein Kunde richtig schlecht benommen, so dass Sie ihn rausgeworfen haben?
Ja, das ist einmal passiert, aber über die Details will ich jetzt nicht reden. Da muss man dann Etikette wahren und ihm höflich erklären, dass man nicht zusammenpasst.
So: Wir müssen mal reden, ich glaub, wir passen irgendwie echt nich zusammen?
(lacht) Ja, es gibt genügend andere Kollegen und Kolleginnen, die sie glücklich machen können.
Muss man als Friseur die Menschen mögen?
Ja, man muss an das Gute im Menschen glauben. Ein Friseur, der die Menschen nicht mag, sollte den Beruf nicht ausüben, wir verdienen ja nicht viel, da ist schon Herzblut nötig.
Was ist für Sie der Sinn des Lebens?
Glücklich zu sein und andere Menschen glücklich zu machen. Das hat natürlich auch mit Glück im eigentlichen Sinn zu tun, manche Menschen kämpfen ihr ganzes Leben für irgendwas und werden ständig durch Krankheiten oder Pech zurückgeworfen. So ging es mir letztes Jahr, da hatte ich eine Lungenentzündung und ständig weitere Probleme, bei denen ein anderer vielleicht aufgegeben hätte, aber ich habe immer weitergekämpft und auch dank meiner Kunden nicht aufgehört, das hat mich immer vorangetrieben. Das ist mein Glück, eine gute Frau zu haben, ein gesundes Kind. Reich will ich nicht werden und muss ich auch nicht werden.
Danke fürs Gespräch.
|
|
|
| |
|
Geschrieben von me am Donnerstag, 26.01.2012
|
|
|

Teste unsere WebApp mit Standortsuche und
Terminerinnerung.
QR Tag scannen
oder Grafik anklicken!
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
| |
|
|
|