Alle Lacher für Augsburg

Verfasst am: 01.08.2015 | Autor: Florian Kapfer

Die Wahlverwandtschaften im Stadtrat, oder: "Der trostlose Dachboden der Erfüllung"...

Na also: Augsburg kann doch Fusion! Der Schmetterlingsflügel von Frauke Petry sorgt im Augsburger Stadtrat für, okay, nicht gerade für einen Orkan, aber immerhin eine neue Ausschussgemeinschaft: Die verbliebenen zwei Vertreter der Alternative für Deutschland probieren’s jetzt mit Peter Grab, der mal pro Augsburg war, dann ganz Augsburg wurde und nun die Alternative für Augsburg ist, oder so ähnlich.

AfD/WSA – ein schönes Kürzel! Für Anagrammatiker ein gefundenes Fressen: Fadsaw, Wasdaf, Daswaf... Ob die anderen Augsburger Ex-Deutschalternativen nun ALFAs werden wie ihr Häuptling Bernd Lucke, wissen sie noch nicht. Wobei man sich die Umdeutung in »Alle Lacher für Augsburg« eigentlich nicht entgehen lassen sollte. Pro Augsburg ist unterdessen sauer, weil der frisch zum Pegida-Peter ernannte Ex-Kuschbo-Referent seine bisherige Ausschussgemeinschaft per E-Mail aufgekündigt hat und nun schwirrt im Rathaus so mancher Doppel-Name auf Partnersuche durch die sommerlich verwaisten Gänge.

Und wer kommt einem da entgegen? Der frühere Fraktionsvorsitzende der Augsburger AfD, Thomas Lis, der offensichtlich etwas mehr Rückgrat hat als seine Kollegen und nun bei Pro Augsburg Unterschlupf gefunden hat. Jetzt sind also auch die befriedet und wenn wir richtig gezählt haben, ist nur noch ein Ex-AfDler herrenlos. Aber, hey, ein bisschen Schwund hat man immer!

Womit wir beim vermutlich prominentesten Abschied des Monats wären: Markus Söder sagt adieu zu 230 Millionen Euro – zugunsten des Augsburger »Kulturbildungspakets«! Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich seitdem fühle wie der Einwohner einer Dritte-Welt-Stadt mit einer Theaterbaracke aus Wellblech und Kokosfaser, war der Auftritt des größten Finanzministers aller Zeiten ganz großes Kino. Da lagen sie ihm alle zu Füßen, dem großen Nürnberger Geldsegner, der schon zu Jugendzeiten unter dem Konterfei von Franz-Josef Strauß nächtigte und nun »von freier Reichsstadt zu freier Reichsstadt« Millionenbeträge verteilt.

Ehrlich gesagt würde es mich nicht wundern - und ich würde es noch viel lieber glauben- , wenn Juliane Votteler auf diesem Verkündigungstermin im Großen Haus beschlossen hat, ihren Vertrag in Augsburg nicht zu verlängern und lieber im Schwarzwald Kinderbücher zu schreiben. Fairerweise hat sie die Fraktionen noch ein bisschen palavern lassen, bevor der Kulturreferent ihre Entscheidung als Regierungsidee verkaufen musste. Da hat die Queen den Spieß mal umgedreht. Touché, Juliane, großes Theater!

Okay, vermutlich war es nicht so. Sondern so wie immer. Hin und wieder hat man einfach Bock auf was Neues. Das reicht von den Kirschen in Nachbars Garten bis zur Theaterintendantin, die für eine höchstrespektable Publikumsauslastung unter schwierigsten Umständen gesorgt und einmal sogar die Zensuliane gespielt hat, als beim Brechtfest ein Affenfell ans Kreuz genagelt werden sollte. Erfolgreich und streitbar, eigentlich topp für ne Theaterleitung. Hilft nix. Dann lieber ab aufs Eis, sprach der Esel. Ein etwas poetischerer Geist, der englische Dichter Philip Larkin, hat auch mal vom »trostlosen Dachboden der Erfüllung« gesprochen.

Nun wollen wir diese fröhliche Kolumne aber nicht so moribund beenden, es gibt in Augsburg wirklich noch einiges, das von Erfüllung weit entfernt ist: Hauptbahnhof, Gaswerk, Fahrradstadt... Haben wir was vergessen? Ach ja, die Wahlverwandtschaften im Stadtrat, die das mit der Wahl wohl nicht ganz im Sinne des Erfinders interpretieren. Vielleicht sollten die Bäumchenwechsler mal einen Blick in die so heiß diskutierte Zeugungsbeilage des Bistums Augsburg werfen: »Und schließlich ist es wider die Vernunft, die Familie aufzulösen. All dies führt zu einer großen Verwirrung, die der Menschheit nicht gut tun kann«, schreibt das umstrittene Magazin »Familienbunt«, gefördert von der Bayerischen Staatsregierung – und die kennt sich mit Lagerbildung ja bestens aus.

Foto: Christian Menkel