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Am kommenden Samstag um 11 Uhr wird im Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast Augsburg die 77. Große Schwäbische Kunstausstellung eröffnet: Eine umfassende Schau, die auf rund 1.600 qm Ausstellungsfläche Raum für die Vielfalt zeitgenössischer Kunst aus Schwaben bietet.
Bei der Pressekonferenz vor Ort sprachen Norbert Kiening und Jan T. Wilms als Eröffnungsredner — Kiening betonte besonders die gute Zusammenarbeit mit Wilms und die Bedeutung gemeinsamer Entscheidung für die Kuratierung der Ausstellung.
Zwischen Offenheit und Kuratorischer Gestaltung
Kuratiert wurde die Ausstellung dieses Jahr von Josef Zankl und Norbert Kiening — bewusst diesmal ohne verbindliches Oberthema. Statt thematischer Vorgabe steht die Auswahl der Werke selbst im Mittelpunkt. In der Kuratierung erkennt man dabei fast selbst einen künstlerischen Prozess: Der Kurator hebt Essenzen heraus, verbindet Werke und erzeugt neue Sichtweisen — möglicherweise ganz anders, als Künstler oder Publikum es allein getan hätten.
Bei dieser Offenheit der Kuration ist das Zusammenstellen der Exponate kein neutraler Akt: Beim Anordnen der Werke kann man manche hervorheben — oder andere fast „zerstören“. Zugleich entstehen neue Bezüge und Bedeutungen — oft Geschichten, die der ursprüngliche Kunstschaffende gar nicht so gedacht hatte.
Zeitgeist, Positionierung und neue Ausdrucksformen
Während bei früheren Ausgaben der Ausstellung eine dezidierte thematische Linie üblich war, zeigt die 77. Große Schwäbische: Eine Kunstausstellung dreht sich stets darum, was die Welt gerade bewegt — und viele der Kunstschaffenden nutzen diese Plattform, um sich bewusst politisch zu positionieren. Es sind Werke vertreten, die Missstände benennen und kritisch reflektieren. Ein Beispiel: Das Werk mit dem Titel „Fragile Demokratie“ — ein Ausdruck der Sorge über unsere zerbrechliche gesellschaftliche und politische Lage (der Titel hätte durchaus auch als Überthema passen können).
Ein anderes – provokantes und medienwirksames – Werk trägt den Titel „Drill Baby Drill“. Gefertigt aus Styropor und Öl, spielt es mit Pop-, Macht- und medialen Bildern — und thematisiert auf eigene Weise politische und gesellschaftliche Verwerfungen.
Diese gesellschaftliche Relevanz ist kein Beiwerk, sondern Teil des Selbstverständnisses der Ausstellung: Kunst als Spiegel, als Reflexion, als Kommentierung dessen, was uns derzeit bewegt — nah am aktuellen Zeitgeschehen.
Mut zur Form — Skulptur, Technik und Herausforderung
Beim Betreten der Ausstellung empfängt den Besucher ein besonders markantes Ensemble: die schwarzen Großskulpturen des Bildhauers Bruno Wank. Alien-artige, unabweisliche Figuren, gefertigt im 3D-Druckverfahren bei der Firma Voxeljet. Sie stehen als Symbole für gesellschaftliche Erwartungen und Ängste. Der Blick auf unsere Gesellschaft — oft beklemmend, manchmal verstörend — manifestiert sich hier in materialisierter Form.
Dass dabei moderne 3D-Drucktechnik zum Einsatz kommt, zeigt: Die Ausstellung verbindet traditionelle Ausdrucksformen mit innovativen Verfahren — und ist insofern selbst Produkt ihrer Zeit.
Nachhaltigkeit — Auch im Licht der Ausstellung
Ein kleiner, aber bedeutsamer Punkt aus der Pressekonferenz: Die alten Neonröhren wurden durch neue LED-Leuchten ersetzt. Ein technisches Detail — und doch mehr: Diese Modernisierung reduziert den Energieverbrauch und fügt sich in das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ein. In Zeiten, in denen Kunst und Umweltbewusstsein sich nicht ausschließen sollten, zeigt die Ausstellung: Auch Infrastruktur kann Teil eines verantwortungsvollen Konzepts sein.
Ein aufwändiger Juroren-Prozess
Die Auswahl der Werke war kein leichter Akt: Dieser Prozess gestaltete sich aufwändig, weil eine große Anzahl an Einreichungen vorlag. Die Jury wechselt jährlich — eine bewusst gewählte Praxis, um frische Perspektiven sicherzustellen und Vielfalt zu ermöglichen. Nur so konnte ein breit gefächertes Spektrum an Technik, Aussagekraft und künstlerischer Handschrift entstehen.
Ausblick: Junge Künstler im Blick
Ein Blick über 2025 hinaus: Um junge Künstler bis 35 Jahre zu fördern, für die es laut Wolfram Grzabka (Kunststiftung Grzabka_Palm) zunehmend schwerer wird, sich mit ihrer Kunst selbstständig zu machen, wird ab 2026 der Preis „viermaldrei“ ausgelobt. Zwölf Jahre lang werden jährlich 3333 Euro aus Grzabkas Kunststiftung vergeben — eine wertvolle Förderung in Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, allein von Kunst zu leben. Diese Initiative zeigt, wie sehr das Engagement für Kunst auch über die Ausstellung hinausgeht.
Die 77. Große Schwäbische Kunstausstellung bietet einen Blick auf die Gegenwart — in Form, Inhalt und Haltung. „Drill Baby Drill“ ist nicht nur der Titel eines Werkes, sondern ein Versprechen: Kunst, die wachrüttelt. (tk)
Offizielle Eröffnung: Samstag, 29. November 2025, 11 Uhr, Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast.
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