"Eine der besten russischsprachigen Bands"

Wer nach der Eröffnung des Friedensfestes noch nicht genug hatte, wurde am Donnerstagabend in der Kresslesmühle fürstlich für sein Durchhaltevermögen entlohnt.

Mit Serebrjanaja Svadba (Silberne Hochzeit) gastierte laut Veranstalter Manfred Hörr von Karman e.V. "eine der besten russischsprachigen Gruppen zurzeit" bereits zum dritten Mal in Augsburg. Und er sollte Recht behalten: Die bisweilen als "Freak-Cabaret" beschriebene Band legte einen in jedweder Hinsicht außergewöhnlichen Auftritt hin. Während manche Gruppen schon nach einer Dreiviertelstunde zum Finale überleiten, zeigte die bunte Truppe aus Minsk selbst nach der doppelten Zeit noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Satte zwei Stunden dauerte ihr Set, plus Zugaben.

Serebrjanaja Svadba sind eine Augen- und Ohrenweide und gehen mit ihren vielfältigen, aber nie übertriebenen Showeinlagen, wie Handpuppen oder Projektionen, ebenso souverän eklektizistisch um wie mit der Musik. Viele Künstler aus dem Genre prahlen ja geradezu mit ihrem Stilmix, in dem sich für gewöhnlich alles von Punk bis Klezmer findet, doch selten hört man die vielen Einflüsse so homogen und selbstverständlich verarbeitet. Selbst sonst kaum mehr erträgliche Gassenhauer wie "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" oder "Sag mir wo die Blumen sind" bekommen einen frischen Charme, als ob die Tinte auf dem Notenblatt eben erst getrocknet wäre. So müssen die abgefahrenen Varietébands der 20er Jahre in Paris oder Berlin geklungen haben.

Im Fokus steht natürlich Front-Power-Frau Benka mit ihrer extrem wandelbaren Stimme, doch die sieben Mitmusiker und -sänger (mit extra Keyboarderin) stehen ihr in nichts nach: Geige, Trompete, Posaune, Bass, Akkordeon, Synthesizer und Schlagzeug zaubern mit viel Können und noch mehr Spielfreude ein Panoptikum der populären Musik, das (und hier stimmt's mal wirklich) keine Grenzen kennt, weder historisch noch musikalisch.

Einziger Wermutstropfen war, wie so oft in Augsburg, die Besucherzahl, die es für den Verein schwer machen dürfte, diese tolle Band ein weiteres Mal nach Augsburg zu holen. Umso schöner, dass irgendwann auch der "Mut" Einzug hielt in Form von aufblasbaren Buchstaben, die bereits bei der Friedensfesteröffnung im Rathaus zu sehen waren. Etwas mehr Wagemut könnten die Augsburger Musiker und Fans ruhig mal aufbringen - falls sie nicht gerade wieder mit Rumjammern wegen mangelnder städtischer Förderung beschäftigt sind... (flo)

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