Eliot Fisk gastiert am 7. Oktober im Parktheater

Nach seinem ausverkauften Debütkonzert in Augsburg vor 19 Jahren im Kleinen Goldenen Saal ist es der Neuen Szene gelungen, den Gitarrenvirtuosen Eliot Fisk abermals für einen Soloabend in der Fuggerstadt zu verpflichten, diesmal im wunderbaren Ambiente des Parktheaters.
Ein Porträt im Interview:

Neue Szene: Andres Segovia, die wichtigste Persönlichkeit der klassischen Gitarre überhaupt, hatte dich schon zu Beginn der fantastischen Karriere als „one of the most brilliant, intelligent and gifted young musical artists of our times“ bezeichnet. Was glaubst du, hat er damals in dir gesehen?
Eliot Fisk: Als ich meine erste Segovia-LP bekam, war ich erst sieben Jahre alt und mir war überhaupt nicht bewusst, dass so eine Sache wie klassische Gitarre überhaupt existiert. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund war ich von Anfang an von der Gitarre von Segovia gefesselt. Julian Bream erzählte ähnliches, Chris Parkening auch. Diese Gitarre sprach von ungeahnten Freuden, von einem besseren Universum! Da wollte ich hin. Zwölf Jahre später war ich in Segovias Hotelzimmer in New York und spielte ihm vor. Eine wichtige Rolle, dass ich Segovia kennenlernen durfte, spielte Rose Augustine, und sie sagte später, dass meine Art sie sehr an Segovia erinnerte... Er wohnte ja zwölf Jahre in ihrem Haus in New York. Es war einfach eine unerklärliche Verbindung da. Wir haben uns von Anfang an verstanden.

Andrés Segovia und du, ihr wart zusammen 100 Jahre alt, als ihr euch das erste Mal begegnet seid. Wie, wo und warum kam es dazu?
Wie oben erwähnt, waren es alte Freunde von Segovia, an erster Stelle Rose Augustine, die ihm von mir erzählten. Und er interessierte sich immer für junge Leute. Das war etwas ganz Tolles an ihm.

Wie weit ist der Einfluss Segovias heute noch für dich von Bedeutung, hast du dich von ihm gelöst?
Man kann, man muss sich weiterentwickeln. Segovias Leben ist nicht das meine. Meine Erlebnisse sind nicht die seinen. Mein Ziel ist aber vielleicht, Teilaspekte der Romantik, die für seinen Stil so typisch war, wieder auf meine Art zu entdecken. Man verlässt seine Eltern... Will man sich aber ganz von ihnen lösen? Vielleicht nicht ganz.

Neben deinen ausgedehnten Konzertreisen hast du, wie Andrés Segovia selbst, das Weitergeben deines Könnens an andere als eine Art Verpflichtung und Teil deiner Lebensaufgabe gesehen. Welche wichtigen Stationen gab es da und wo unterrichtest du heute?
Ich unterrichte in Boston am New England Conservatory und in Salzburg an der Universität Mozarteum. In Boston leite ich seit zwölf Jahren das Boston Guitar Fest (www. Bostonguitarfest.org). Kommenden Mai werde ich mit Kollegen und Freunden das Salzburg Guitar Fest gründen. Beide Festivals werden grenzüberschreitend agieren. Sie werden größtenteils auch von jungen Menschen verwaltet. Ich werde weiterhin versuchen, das Kleinfürstentum der Gitarrenwelt zu vereinen und die Perspektiven und den Umfang des Instruments zu erweitern.

Dabei unterrichtest du in fünf Sprachen fließend. Wann hattest du Zeit, dich noch mit dem Erlernen anderer Sprachen zu beschäftigen?
Fast alle meine Studenten am Mozarteum sind inzwischen drei- oder viersprachig. Das passiert fast automatisch bei Musikern.

Du hast vor dem spanischen König, US-Präsident Bill Clinten, US-Außenminister John Kerry sowie in allen wichtigen Konzertsälen der ganzen Welt gespielt, genauso aber auch vor Holzfällern in Alaska und in Gefängnissen. Letzteres wäre sicher nicht nötig gewesen. Warum tust du es doch?
Jeder Auftritt, egal, wo, wann oder für wen, bietet eine Möglichkeit zu lernen. Je schwieriger die Situation, desto besser muss man sein. Die Fähigkeit, auch in verschiedenen Sprachen mit dem Publikum zu sprechen, erweitert das Gehirn.
Alles, was eine Herausforderung ist, ist sowieso interessant. Manchmal ist es bei "Outreach"-Konzerten so, dass man jemandem etwas völlig Neues, Tolles schenken kann. Ich hatte Studenten, die, ähnlich zu meiner Geschichte mit Segovia, durch ein Konzert von mir sich der klassischen Gitarre erst bewusst wurden und dann zwölf oder 15 Jahre später bei mir Unterricht bekamen.

Bahnbrechend hast du als erster Gitarrist sämtliche Capriccios von Niccolo Paganini für die Gitarre bearbeitet und eingespielt – „must be heard to be believed“. Was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt?
Ich liebe Herausforderungen und ganz besonders die, die von der Geschichte der Musik praktisch suggeriert werden. Paganini war selbst ein bahnbrechender Gitarrist. Die 24 Capricci Op 1 für Solovioline sind voller Gitarreneffekte und -affekte! Außerdem wollte ich auch bei Paganini, wie schon vorher bei Frescobaldi, Froberger, Haydn, Mozart, Schubert, Bach oder Scarlatti, „in die Schule gehen“! Diese längst toten Komponisten gehören zu meinen wichtigsten Lehrern!

Gibt es irgend ein Lieblingsstück, das du besonders gern spielst?
Das Stück, das ich gerade spiele - und Bach über alles.

Eliot, du bist in erster Linie ein charismatischer Live-Gitarrist, der immer volles Risiko eingeht, um seine Zuhörerschaft in den Bann zu ziehen. Das Kreieren von magischen Momenten während eines Konzertabends ist dir dabei stets wichtiger als Sicherheit und Routine. Was macht für dich gute (Gitarren-)Musik zu guter Musik?
Musik ist Liebe, Intelligenz, das Anstreben des Nobeln. Auf jedem Instrument muss sie von Herzen kommen. Ich liebe auch einen reinen Satz, Kontrapunkt, aber auch Leidenschaft, Humor, Vielfalt, Einmaligkeit! Die Musik ist ein Destillat des Besten, das in Menschen steckt, und der Ordnung, die im Universum zu entdecken ist.

Du hast einmal gesagt, dass Themen, die bei der Gitarre aufkommen, viel interessanter als bei anderen Instrumenten sind und die Gitarre eine Vielfalt an Talenten und eine Mischung aus Disziplin und Leidenschaft abverlangt, die allen anderen Instrumenten überlegen ist. Was meinst du damit konkret?
Die Gitarre ist zwei Instrumente auf einmal. Vielleicht Harfe (rechte Hand) plus Cello (linke Hand), Fingersätze sind immer Choreographie (für den Bauch) plus Orchestrierung (fürs Gehirn). Die Gitarre ist das Apollonische, fusioniert mit dem Dionysischen!

Lieber Eliot, vielen Dank für das Gespräch und wir freuen uns sehr auf den 7. Oktober!

(Das Gespräch führte Felix Kosel)

Foto:_Keitaro Yoshioka
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Der Auftritt im Parktheater ist das einzige Deutschlandkonzert 2016 von Eliot Fisk. Er wird Werke von Scarlatti, Bach, Ponce, Diaz, Albeniz, Granados und anderen vortragen. Im Eintrittspreis inbegriffen ist ein „Meet The Artist“ im Anschluss an das Konzert.

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www.eliotfisk.com

https://www.youtube.com/watch?v=CF00jnJNedA

http://www.parktheater.de/produktionen/eliot-fisk.html/ID_Vorstellung=3699

https://www.facebook.com/events/664305477060484

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