Rette, rette Fahrradkette: Unterwegs in Zentralasien.Teil 10: “Zwischen Kurdistan und Istanbul”

Rette, rette Fahrradkette - Unterwegs in Zentralasien. Teil 10: ”Zwischen Kurdistan und Istanbul”

Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!
Vor zwölf Monaten sind die Schwestern mit den Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, vor ihnen lagen 15.000 Kilometer. Doch Corona hat ihnen bei ihrer Reiseroute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Kunstpädagoginnen mit ”Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation ”Seawatch” ins Leben gerufen. Derzeit befinden sich die beiden Globetrotterinnen wieder auf dem Rückweg nach Deutschland und feiern zwischendurch etwas Party in Istanbul. Walter Sianos hat zu ihnen durchgefunkt.

Hallo, wir hatten ja schon seit mindestens sechs Wochen keinen Kontakt mehr.
Stimmt, wir haben dich schon vermisst.

Oh, danke für die Blumen. Wie geht es euch und wo treibt ihr euch den aktuell herum. In der Türkei?
Uns geht es sehr gut. Wir sind im wunderschönen Istanbul. Davor waren wir zehn Tage im Süden der Türkei unterwegs und haben uns dann spontan dazu entschlossen, mit dem Bus nach Istanbul zu fahren. Wir hatten einfach Lust darauf, lieben die Stadt und haben hier viele Bekannte und Freunde. Wir genießen es, jeden Tag etwas zu unternehmen, auf Konzerte zu gehen und das Leben zu leben.

Wie lange bleibt ihr denn in Konstantinopel, wie wir Griechen dazu sagen?
(Lachen) Wir sind schon seit zwei Wochen hier und werden noch einige Tage bleiben. Dolce vita ist angesagt.

Und dann?
Dann müssen wir schauen, dass wir in die Pedale kommen, weil in einem Monat unsere Reiseversicherung abläuft. Unsere Route nach Hause wird uns über Griechenland nach Albanien führen. Von dort werden wir die Fähre nach Italien nehmen und dann geht es über den Brenner zurück nach Deutschland.

Ihr seid fast 14.000 Kilometer auf Achse und das Abenteuer neigt sich so langsam seinem Ende zu.
Der Countdown läuft zwar, aber so wirklich realisieren wir das noch gar nicht, weil wir selbst nach einem Jahr immer noch voll im Reisemodus sind. Aber wir freuen uns schon auch wieder auf zuhause. Allerdings wird es spannend werden, ob und wie wir wieder in den deutschen Alltag eintauchen werden.

Ihr seid durch die kurdischen Gebiete, durch den Iran, den Irak und die Türkei gereist. Was habt ihr dort für Erfahrungen gemacht?
Sehr unterschiedliche. Im Iran werden die Kurden unterdrückt, aber die Menschen leben trotzdem ihre Kultur aus. Im Irak bzw. in der autonomen Republik Kurdistan bietet sich ein ganz anderes Bild, dort leben die Menschen ungestört und frei und das ist wunderschön anzusehen. Ganz dramatisch ist es in der Türkei, dort ist die kurdische Kultur quasi nicht existent, die Menschen dürfen nicht einmal ihre Sprache sprechen und wenn man das miterlebt, wird man sehr traurig. Aber trotz aller Widerstände begegnen uns mutige Menschen, die trotz aller Repressalien ihren Optimismus nicht verlieren, das ist sehr beeindruckend.

Euer Endziel war ursprünglich China und von dort aus war es geplant, gemütlich mit der Transsibirischen Eisenbahn zurückzufahren. Corona hat euer Abenteuer umgeleitet und vor allem ausgedehnt, neue Länder, die gar nicht auf dem Plan standen, sind dazugekommen. Hat es das Schicksal im Nachhinein gut mit euch gemeint?
Definitiv, es hat uns in die richtige Himmelsrichtung geschubst, das muss man schon so sagen. Wir sind durch schöne und beeindruckende Länder gekommen, die wir gar nicht auf dem Plan hatten. Dafür ein: Danke Schicksal!

Gab es in all den letzten Wochen nie Momente, die gefährlich waren?
Eigentlich nicht. Okay, es gab immer wieder mal Orte, wo wir uns aus den verschiedensten Gründen nicht wohlgefühlt haben und es gab schon auch mal die eine oder andere Situation, in der wir kurz vor Dunkelheit noch weitergezogen sind und unser Zelt woanders aufgeschlagen haben. Aber das war eher selten der Fall. Man entwickelt während so einer Reise ein bestimmtes Bauch- bzw. Feingefühl und reagiert sehr sensibel auf bestimmte Situationen.

Man malt sich vor jeder Reise ein bestimmtes Bild im Kopf. Wie bunt ist euer Gemälde denn tatsächlich geworden? Hat es alle Dimensionen gesprengt?
Auf jeden Fall, so viele Farben gibt es gar nicht und so etwas kann man kann sich vorher gar nicht ausmalen. Unser Trip hat unsere Erwartungen weit übertroffen, dennoch freuen wir uns jetzt tatsächlich wieder darauf, in Deutschland anzukommen und unsere Freunde und Familien wiederzusehen. (ws)

Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger
Die Neue Szene begleitet Ana und Ida redaktionell auf ihrer Reise. Auf unserer Website www.neue-szene.de gibt es monatlich einen aktuellen Lagebericht.

Kilometerstand: 13.535 km
Spendenstand: 13.607 (02.06.2022)
Der Link zur Spendeaktion:
www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff
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