Das kleine Weltuntergangsinterview:
Diesmal mit: Taybe Cevik

Verfasst am: 23.01.2012 | Autor: Marcus Ertle

Taybe Cevik, geboren in Oberfranken, "autodidaktische Konzeptkünstlerin"

Taybe, wer ist nun wirklich schuld am Weltuntergang?
Wir alle, durch den Raubbau an Mutter Erde, den Müll, den wir fabrizieren, die Wegwerfgesellschaft.

Immer wir, kann es denn nie irgendwer anderes sein? Na ja gut,
wen soll‘s denn als ersten erwischen?
Keinen als ersten, keinen als letzten. Rachegelüste sind moralisch unakzeptabel. Von dem abgesehen, sitzen wir alle im selben Boot.

Was hättest du dir sparen können?
Hier und da hadern, zögern, zweifeln.

Was kotzt dich an?
Dass es vorbei ist. Game over. Nun haben wir es geschafft, mit all unserem fortschrittlichen Wissen die Erde platt zu machen.

Noch was zu erledigen, so auf die Schnelle?
Auf die Schnelle? Ja, genau! Ich schlag alles kurz und klein! So ein Mist! My Daugther! My Precious! Umarmend, weinend, küssend, tröstend, mutmachend. Game over, Level two.

Welcher Soundtrack passt am besten zum Weltuntergang?
„What a wonderful world“ von Louis Armstrong.

Was wirst du vermissen?
Tochter, Familie, Friends, Nature, Sonne, Regen, Hagel, Wind, Luft, Atmen, Gehen, Sprechen, Essen, Geben, Nehmen. Alles, was ich liebe.

Ein letzter Brief vor dem Untergang - was schreibst du?
An wen soll ich schreiben? Ich gehe mal davon aus, dass es alle erwischt! Oder doch nicht? Wird es Überlebende geben? Toll! Werde ich, werden wir zu den Überlebenden gehören? Was ist wohl besser: unterzugehen oder überlebt zu haben? Also gut, wenn es mich erwischt, dann ist es eine Hinterlassenschaft für die Überlebenden: Kopf hoch, Leute! Lieben Gruß, Taybe.

Was machst du am Tag danach?
Wie? Wir haben also überlebt! Hallo Welt - wir sind noch da! Wow. Dicken Kuss für meine Tochter. Ich starte sofort los. Versuche zu telefonieren - voller Hoffnung - wie, wo, wer, was, wen werde ich vorfinden oder antreffen...

Info:
Taybe Cevik, geboren in Münchberg (Oberfranken), „autodidaktische Konzeptkünstlerin“, zuletzt mit Projekten vertreten beim Kunstprojekt Jean Stein mit “Gottesaugen”, im Provokationsraum mit dem “Comicroom” und mit “Einblick und Ausblicke” bei “Merhaba Augsburg-50 Jahre Deutschtürkisches Anwerbeabkommen”.

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