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Eintagsfliege

Das ist doch scheiße…

Der Terror der Ökonomie begegnet uns bereits, wenn wir mal in der Innenstadt aufs Klo müssen...

Man muss mal aufs Klo. Ja, ein ganz simples Vorhaben. Nichts Spektakuläres. Aber trotzdem ärgerlich. Wieso ärgerlich? Ärgerlich, weil die innerstädtische Klosuche zeigt, dass der Terror der Ökonomie keine Erfindung linksradikaler Paranoiker ist. Der Terror der Ökonomie begegnet uns bereits, wenn wir mal aufs Klo müssen. Das einzig Schöne daran ist die Anschaulichkeit der ganzen Scheiße.

Es gab mal eine Zeit, in der man, wenn man in der Innenstadt mal musste, einfach ein öffentliches Klo aufsuchen und sich erleichtern konnte. So eine Toilette gab es im Rathaus, was irgendwie passend war, weil das Rathaus ja irgendwie allen Bürgern gehört und damit auch das Recht das Klo zu benutzen, kostenlos natürlich. Das ist passe. Zuerst wurde das Rathausklo fünf Jahre lang renoviert, vielleicht sieht es jetzt wie der Goldene Saal aus, dann wurde der Zugang beschränkt. Auf die ehrwürdige Toilette dürfen jetzt nur noch Besucher des (großen) Goldenen Saales, die dafür ja auch Geld bezahlt haben.

Um die Logik dahinter zu verstehen, muss man nicht Marx gelesen haben: Die Stadt will einfach an den Exkrementen der Menschen verdienen, auch wenn es nur Pippi-Beträge sind (haha). Hauptsache, man verschenkt nichts. Eine ähnliche Logik herrscht am Hauptbahnhof und auch am neuen Kö. Man investiert zig Millionen in Prestigeobjekte, aber Geld für eine kostenlose Toilette gibt es nicht. Stattdessen verpachtet man die Scheißhäuser an private Unternehmer. Die bauen dann erstmal ein Toilettenzentrum, dessen Eingang aussieht wie die Schleuse in ein Hochsicherheitsgefängnis, mit Überwachungskameras, Drehtüranlagen aus dickem Stahl, Geldwechselapparat, wahrscheinlich gibt es noch versteckte Selbstschussvorrichtungen, aber was es nicht gibt: Toilettenfrauen oder -männer.

Denn die wurden längst wegrationalisiert. Man wird hier also nie mehr den Plausch einer Toilettenfrau mit einer langjährigen Besucherin belauschen können, so wie ich es neulich auf der Toilette am Stadtmarkt durfte, eine der letzten Bastionen der Gemütlichkeit auf der Klobrille. Man wird in diesen sterilen menschenleeren Bedürfnisanstalten nie erfahren, dass Frau Meier zum ersten Mal seit Wochen wieder zu Besuch aufs Klo kommt, weil sie im Krankenhaus war (die Hüfte). Man wird nie den neuesten Witz des lustigen Opas hören. Und die Designer und Verkaufspsychologen der Klokonzerne werden sicher nie selbstgepflückte Blumen ans Waschbecken stellen, weil das auch nur das ist, was der Mensch für sie ist: Nichts als ein beschissener Kostenfaktor. (me)

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