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Eintagsfliege

Der Zauber der Niederlage - die SPD im Abstiegskampf

Die SPD in Augsburg ist ein fortwährendes Faszinosum...

Die SPD in Augsburg ist ein fortwährendes Faszinosum. Das hat sie gerade wieder mit ihrer Analyse der krachenden Niederlage bei den Kommunalwahlen bewiesen. Es gibt wohl keine Partei, die es schafft, ihre vielfältigen Fehler so gründlich zu analysieren und gleichzeitig das Zauberkunststück zu vollbringen, niemanden dafür verantwortlich zu machen. Oder anders gesagt: jeden. Wobei, wenn jeder an allem schuld ist, dann ist irgendwie auch keiner schuld, weil ja nicht die ganze Partei als Kollektiv zurücktreten kann. Deswegen muss auch niemand um seinen Posten fürchten, denn die Parteivorsitzende, der Spitzenkandidat, die Wahlkampfmanagerin, der Wahlkampfmanager, sie alle waren ebenso schuld wie alle Stadträte, Kandidaten, Ortsvereinsvorsitzende, einfache Mitglieder und natürlich auch alle Karteileichen.

Wie konnte die SPD diese kollektivistische Kunststück also zustande bringen? Ohne Wortakrobatik geht es jedenfalls nicht.
"Alle tragen Verantwortung", mahnte ein Vorstandsmitglied.
"Es wird nicht nach einzelnen Schuldigen gesucht", beruhigte der Parteivorstand.

Diese beiden Aussagen haben Magie. Dass alle Verantwortung tragen, ist natürlich richtig. Der Spitzenkandidat trägt ebenso Verantwortung wie der zweite Kassierer im Ortsverband Dingsbums. Nur ist die Verantwortung des Spitzenkandidaten im Zweifel größer als die des zweiten Kassierers im Ortsverband Schlagmichtot. Was das Vorstandsmitglied nämlich wohlweislich nicht sagte, war, dass alle die gleiche Verantwortung tragen, und auch nicht, dass alle schuld seien. Denn diese Aussage hätte den Zauber dieser Phrase zerstört.

Dass nicht nach einzelnen Schuldigen gesucht wird, verrät schon mehr über den Gemütszustand der Partei. Man könnte es auch als Vorschlag formulieren: Wir haben die Wahl krachend verloren, unser Wahlkampf war zahnlos und unmotiviert, unsere Kandidaten nicht attraktiv – aber, wir sind in der Stadtregierung und statt die Messer zu wetzen sollten wir lieber die Löffel rausholen und einhellig die Töpfe der Macht leeren.

Anders kann man sich die Reaktion nicht erklären. Vor allem, wenn man liest, was die SPD selbst als Ursachen für die Niederlage benennt:

- Botschaften und Kompetenzen der SPD waren zu wenig wahrnehmbar und nicht auf die Kernzielgruppen zugeschnitten
- Das Werbekonzept war zu unkoordiniert und ineffektiv
- Der politische Gegner wurde zu wenig angegriffen, und es wurde nicht klar, warum die SPD die bessere Alternative ist
- Die Basisarbeit in den einzelnen Stadtteilen war ungenügend
- Die Stadtratsliste war wegen zu vieler unbekannter Neueinsteiger nicht attraktiv genug

Ein vernichtendes Zeugnis - ohne irgendwelchen personellen Konsequenzen. Im Gegenteil, die führenden Verantwortlichen wurden befördert, der Spitzenkandidat wurde Sozialreferent, die Wahlkampfmanager Fraktionsvorsitzende und Ordnungsreferent. Wer sich dergestalt personellen Konsequenzen verweigert, muss entweder ein Zauberer sein, oder die gesamte Partei war dermaßen unfähig, dass es sowieso keinen Unterschied macht, wer an der Spitze steht. (me)

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