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Die Poesie des Alltags
Jedes Mal, wenn ich zu meinem Friseur gehe, fragt mich die Friseurin, oder der Friseur: "Na, kommst gerade von der Arbeit?" Die Frage ist an sich nicht dumm, denn sie will ja zum Beruf überleiten, oder zum Urlaub, eher nicht dazu, dass jemand keine Arbeit hat. Es ist eine halboffene Frage. Ich sage dann natürlich immer brav, dass ich ja freischaffend bin und so gesehen keine feste Arbeitszeit habe, aber das führt in aller Regel nicht zu einem interessanten Gespräch.
Was mich so irritiert, ist, dass alle Angestellten des Salons exakt dieselbe Frage stellen, jedes Mal und jedes Mal sage ich dasselbe. Ich weiß natürlich, dass der Smalltalk zum Friseurbesuch für viele dazugehört, aber könnte man hier nicht irgendwie ... variieren? Oder hat die Chefin sich ganz am Anfang vor ihre Belegschaft gestellt und gesagt: "Ihr werdet zu Beginn dem Kunden diese eine tolle Frage stellen und keine andere, für immer."?
Ich hab es ja gerne, wenn der Friseur nicht zuviel redet und wenn er redet, dann soll man als Kunde denken, dass er das nicht als Pflichtübung sieht. Ich will ja eigentlich nichts erfinden. Oder ich folge doch dem klugen Rat einer sehr klugen Freundin und erfinde wirklich interessante Tätigkeiten wie Arbeit im Labor für biologische Kampfstoffe oder Manager eines ekligen B-Promis. Da könnte sich dann schon eine hübsche Plauderei ergeben. (me)






