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Immer schön brav bleiben
Eine neue Folge der Endlosserie: Wir wollen Politiker, die totalen Klartext reden - und dabei bei niemandem anecken.
Diesmal hat Thomas de Maizere alles richtig und alles falsch gemacht. Richtig war, dass er bei seiner Abschiedsrede als Verteidigungsminister ehrlich und zornig das ausgesprochen hat, was er als er Minister
nicht laut sagen durfte. Dass sich Franzosen und Briten arrogant über die Bundeswehr auslassen und Deutschland für seine zögerliche Sicherheitspolitik kritisieren.
Damit hat er einen der präsentesten Wünsche der Medien erfüllt: Endlich ein Politiker, der keine nichtssagenden und heuchlerischen Worthülsen von sich gibt. Einer, der Klartext redet.
Damit hat er aber auch eine reaktionsfreudige hiesige Ader getroffen. Die Medien finden Politiker, die Klartext reden, zwar super. Das heißt aber nicht, dass sie diese dafür loben. Im Gegenteil. Quer durch die Landschaft wird nach einem Klartextspruch eilig ein medialer Scheiterhaufen zurechtgebastelt, auf dem man den Klartexter dann genüsslich mit der Maske des Biedermanns grillt.
Das Problem am Klartext ist, dass echter Klartext im Grunde nie politisch korrekt sein kann. Klartext, den alle toll finden, ist kein Klartext. Klartext, den die meisten toll finden, ist meist politisch korrektes Herunterbeten von allgemeinem Konsens.
Irgendjemandem tritt man mit wirklichem Klartext immer auf die Füße. So wie jetzt de Maizere, der für seine undiplomatische Äußerung als "uncool" (Spiegel), "plump" (Welt) und "unbeherrscht" (SZ) gescholten wird. Übrigens von genau den Journalisten, die sich gerne über aalglatte Wischiwaschi-Politiker echauffieren. Alles nach der Logik: Klartext ja, aber immer schön brav bleiben. (me)






