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Je Suis Charlie... aaaaaaber!
Zwei Stunden nach dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris wurde der Slogan "Je Suis Charlie" erdacht und verbreitet. Er ging um die Welt und wurde zum spontanen Ausdruck von Bestürzung und Mitgefühl. Fast sofort danach meldeten sich Kritiker zu Wort.
Intellektuell wurde dann argumentiert, wieso man sich der Aussage nicht anschließen könne. Man sei schließlich gar nicht Charlie. Die einen legten in haarspalterischen Essays dar, wieso nur ganz wenige, im Grunde nur die Redaktionsmitglieder selbst, sich Charlie nennen dürften, da nur sie den Mut zur Satire hätten. Es müsste demnach eigentlich heißen "Wir wären gerne Charlie, wenn wir keine so feigen Schweine wären." Nur wenn man Mitgefühl mit Anmaßung verwechselt, ist diese Argumentation schlüssig.
Andere beklagten, dass sich niemand mit dem toten Polizisten solidarisiere. Als würde "Je Suis Charlie" bedeuten, dass einem alle Opfer, die nicht in der Redaktion des Magazins erschossen wurden, egal seien. Als gäbe es eine Art morbiden Wettbewerbs des Gedenkens an Tote.
Die feigste Argumentation ist allerdings die des "Ja, aber...". Man solidarisiere sich ja mit Charlie, aber man wolle nur für Meinungsfreiheit und nicht für verletzende Satire einstehen. Diese Aussage ist nicht nur schmählich, sie ist auch wohlfeil. Als wäre "Je Suis Charlie" ein offizieller Titel, den man unwiderruflich annimmt, der die eigene Identität festlegt. Als stünde anstelle des eigenen Namens "Charlie" im Pass. Als würde es irgendeine alte Sau interessieren, welchen Beruf und welche geniale Weltsicht man eigentlich hat, die durch "Je Suis Charlie" nicht zur Geltung käme. Oder hat man Angst, dass weitere islamistische Mordmaschinen jeden einzelnen, der sich solidarisiert, töten?
All diesen Leuten würde ich keinen Slogan, sondern eine einfache Verhaltensweise empfehlen: Einfach mal schweigen. (me)






