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Köche malen
Manche Gerätschaften machen bekanntlich den Eindruck, als wären sie schon immer da gewesen. So würde es mich nicht wundern, wenn irgendwann eine Radioreportage zum Fall von Troja auftaucht. Mal abgesehen davon, was sadistisch veranlagte Zahnarzthelferinnen draus machen, ist Radio wohl mit die wundervollste Erfindung des 20. Jahrhunderts – und wer jetzt wieder mit dem Volksempfänger daherkommt, darf sich ein Fließbildchen von der Wolfsschanze ins Auge stecken.
Vor exakt neunzig Jahren ging die erste deutsche Radiosendung über den Äther. Am 29. Oktober 1923 um acht Uhr abends folgte in der "Funkstunde" aus Berlin auf die Ansage "Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt" ein Cellostück mit Klavierbegleitung.
Wer heute allein die Mediathek des Deutschlandfunks oder auch von Bayern 2 durchstöbert, weiß genau, er muss nie wieder den Fernseher einschalten. Außerdem hat Radio einen unschlagbaren Vorteil gegenüber der Flimmerkiste: Man kann nebenher bügeln. Oder abwaschen. Gitarrespielen. Wasserwechsel im Aquarium. Malen. Kochen. Köche malen. Sogar Fußball kann im Radio am Samstagnachmittag bisweilen ganz spannend sein. Vom trojanischen Krieg natürlich ganz zu schweigen...
Der Deutschlandfunk widmet dem Jubiläum zahlreiche Beiträge. Aber Vorsicht: Verstand hört mit! (flo)






