Magazin
Klinikum Augsburg - Der Terror der Ökonomie
Ich merke immer wieder, dass ich ein sozialromantisches Kind der 80er Jahre bin. Die Jahre, die, zusammen mit den 70ern, einmal als goldene Epoche gelten werden. Mein letztes romantisches Erlebnis dieser Art hatte ich heute morgen, als ich einen Artikel über das Klinikum Augsburg gelesen habe.
Zusammengefasst: Das Klinikum rettet unzählige Menschenleben, aber es machte in der Vergangenheit oft Verluste. Letzteres ist für die herrschenden Buchhalter mindestens so wichtig wie die eigentliche lebensrettende Aufgabe eines Krankenhauses. Und weil die Stadt und der Landkreis ungern die Defizite des Klinikums tragen, würden sie es am liebsten dem Freistaat vererben. Aber der Freistaat hat wenig Interesse, ein belastetes Erbe anzunehmen, und deswegen sagen sich Klinikmanagement, Stadt und Landkreis: Wir müssen eisern sparen, dann werden wir unser teures Vorzeigekrankenhaus vielleicht als Uni-Klinik los.
Diese Gedankengänge klingen ökonomisch nicht unschlüssig. Aber wann wurde eigentlich beschlossen, dass Krankenhäuser Gewinn machen müssen? Wie konnte es eine Gesellschaft zulassen, dass bei Fragen der Gesundheit nicht das Wohl der Patienten, sondern schwarze Zahlen den Ausschlag geben? Wahrscheinlich bin ich einfach zu naiv. Ich finde, dass eine Gesellschaft sich Institutionen leisten muss, die nicht dem Terror der Wirtschaftlichkeit unterworfen sind. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser - wozu ist der Staat denn da, wenn nicht dazu, diese Einrichtungen, die uns allen dienen, zu finanzieren?
Die Wahrheit ist, dass wir Zeuge eines Rückzugs werden. Der Staat, die Städte - sie geben immer mehr staatliche Aufgaben ab und begründen das mit dem Zwang der Wirtschaftlichkeit. Heute werden Krankenhäuser privatisiert oder wie private Unternehmen auf Effizienz getrimmt und morgen wachen wir in einem Nachtwächterstaat auf, der für die breite Masse allenfalls ein dürftiges Grundangebot von Schule bis Krankenhaus bereithält. Während sich die gutverdienende Oberschicht die Leistungen erkauft, die eigentlich für alle erreichbar sein sollten. Eine solche Klassengesellschaft durch die Hintertuer wäre allerdings wirklich eine Terrorherrschaft der Ökonomie und das Ende einer solidarischen Gesellschaft. (me)






