Magazin
Wer bin ich?
Alle wollen ja verstanden und erkannt werden. Oder wollen vielleicht nur die Unglücklichen erkannt werden? Aber was, wenn wir als das Klischee erkannt werden, das wir zwangsläufig sind? Von außen gesehen.
Das ist das einzig wirklich Gute am Älterwerden. Man sucht sich selbst im Idealfall nicht mehr so sehr. Wer sich mit vierzig, fünfzig Jahren immer noch nicht gefunden hat, bzw. wer meint sich noch nicht gefunden zu haben und denkt, es gäbe darauf eine einfache Antwort, kann die Suche eigentlich einstellen. Nicht, weil er kurz vor dem Exitus stünde, das hoffentlich nicht. Nein, deswegen, weil man sich wohl irgendwann eine schlichte Wahrheit eingestehen muss: Wer wir wirklich sind, erfahren wir ja eh erst am Ende, dann ist die Antwort aber auch nicht mehr hilfreich, denn wir haben sie ja mit unserem Leben beantwortet.
Diesen Gedanken hing ich heute nach, als ich einen Anruf bekam, der mich dankenswerterweise von der unseligen Identitätsfrage ablenkte. Inzwischen bedeuten mir Missverständnisse ja ebenso viel wie Verständnisse. Ich, Marcus, erwartete einen Anruf von Frank. Stattdessen rief Markus an. Ich dachte aber, es sei Frank.
Ich: Hallo, Frank.
Markus: Äh, Frank?
Ich: Ja, hallo.
Markus: Marcus?
Ich: Ja, Marcus hier.
Markus: Ach so, ich hab Frank verstanden.
Ich: Frank bist ja du, ich bin Marcus.
Markus: Ich bin Frank?
Ich: Nein?
Markus: Nein, ich bin Markus.
(me)






