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Das Gipfeltreffen des Gypsy-Swings
Zu Ehren von Django Reinhardt lud das Parktheater im Kurhaus Göggingen auch 2026 wieder zum traditionellen Gypsy-Swing-Festival ein. Der französische Gitarrist gilt mit seinem Wirken im letzten Jahrhundert als Begründer und Vorreiter des europäischen Jazz. Das Neue und Besondere an der Musik Django Reinhardts kennzeichnet die Mischung dreier verschiedener Musikstile. Er schuf aus dem gängigen New-Orleans-Jazz der zwanziger Jahre, den französischen Walzern und der traditionellen Spielweise der Roma und Sinti einen neuen Musikstil, den „Gypsy Jazz“, der neben der jazzgemäßen Rhythmik durch Akkordeffekte und Stimmungen der modernen Klassik im Stil von Debussy oder Ravel gekennzeichnet ist. Demgemäß bietet das „Internationale Django Reinhardt Festival“ in Augsburg alljährlich an drei Tagen Konzerte, Sessions und Ausstellungen mit virtuosen Musikern und Ensembles von Weltrang, die die ganze Vielfalt des Gypsy Jazz, von Django Reinhardt und dem Hot Club de France bis ins 21. Jahrhundert auf höchstem Niveau präsentieren.
Bei der Auftaktveranstaltung des diesjährigen Festivals am vergangenen Freitag (5.6.) gab es im stilvollen Ambiente des Parktheaters bereits sehr hochkarätige Formationen zu sehen und hören. Den Anfang machte „Young, fresh with Gipsy Swing“, ein Quartett um den österreichischen Saitenmagier Diknu Schneeberger und die talentierte Sängerin Eva Scholten aus Amsterdam, die vor allem durch ihre stimmlichen Phrasierungen im Sinne des „Scat-Gesangs“ auffiel, d.h. das Singen von rhythmischen, improvisierten Silben ohne Text, so wie es die internationalen Gesangslegenden Ella Fitzgerald oder Al Jarreau einst pflegten. Ebenfalls erstklassig die Mitmusiker Martin Heinzle am Kontrabass und Julian Wohlmuth an der Rhythmusgitarre, denen auch die eine und andere Soloeinlage gewährt wurde. Weiter ging es mit den „Grandmasters of Gypsy-Jazz“, dabei mit den beiden engen Freunden Mozes Rosenberg an der Leadgitarre und Sandro Roy an der Gypsy-Violine. Der Erstgenannte stammt aus der berühmten Musikerfamilie Rosenberger, ebenso der Rhythmusgitarrist der Kombo, sein Bruder Stochelo Rosenberg, und mit von der Partie wieder Martin Heinzle am Kontrabass. Der Violinist Sandro Roy ist als gebürtiger Augsburger sowieso wohlbekannt, auch er entstammt einer traditionsreichen Sinti-Musikerfamilie und gilt als einer der vielversprechendsten Geigen-Virtuosen seiner Generation. Klar, dass somit ein großes Saitenspektakel geboten wurde! Eine klanglich sehr schöne Gypsy-Variante gab es abschließend mit den „Monsieurs du moderne Jazz Manouche“, bestehend aus dem „Jermain Landsberger Trio“ und dem aus Paris stammenden Gitarristen Adrien Moignard. Der Pianist Jermain Landsberger gilt als ein Vorreiter der europäischen Gypsy-Avantgarde, da er die traditionellen harmonischen Elemente der Sinti-Musik mit der rhythmischen Kraft des amerikanischen Modern Jazz kombiniert. Seine langjährigen Wegbegleiter sind der Münchner Ausnahmeschlagzeuger Guido May sowie der Pariser Kontrabassist William Brunard. Insofern war auch hier größtes Können angesagt! Besonders beindruckend war dann die Darbietung zusammen mit Adrien Moignard, der als einer der virtuosesten und wichtigsten zeitgenössischen Vertreter des Gypsy-Jazz (Jazz Manouche) gilt. Er zeichnet sich durch ein hochemotionales, technisch brillantes Spiel aus, das die traditionelle Akustikmusik von Django Reinhardt mit modernen Einflüssen aus Bebop, Bluesrock und zeitgenössischem Jazz verbindet Er wurde an diesem Abend daher auch mit dem Festival-Preis geehrt!
Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt des „Internationalen Django Reinhardt Festivals“ in Augsburg! Und auch an den beiden Folgetagen gab es ein weiterführendes reichhaltiges Konzertprogramm, begleitet von After Show Sessions sowie einer Gitarrenausstellung, bei der man die berühmten Gypsy-Gitarren mit ihrem perkussiven, lauten und durchsetzungsstarken Klang auch einmal selbst in die Hand nehmen durfte. Weitere Infos unter: https://django-reinhardt-festival.de/
Bericht & Fotos: Jochen Cantner, Hanne Cornils






