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Zwischen „Bus Aldrin“ und Bassgewitter: Das Modular 2026 zeigt, was Jugendkultur kann
Sonne statt Schlamm, T-Shirts statt Regenponchos und drei Tage voller Musik, Begegnung und Jugendkultur: Das Modular Festival 2026 hat das Gelände am Alten Gaswerk am vergangenen Wochenende wieder einmal in einen lebendigen Ort für junge Kultur verwandelt. Tausende Besucher*innen feierten gemeinsam mit über 520 Volunteers der Modular Crew und weiteren 150 Ehrenamtlichen der Jugendverbände und Initiativen ein friedliches, vielfältiges und emotionales Modular, das einmal mehr gezeigt hat, welche Bedeutung Jugendkultur für Augsburg hat.
Das Gaswerkgelände wurde in seiner ganzen Vielfalt bespielt: von den großen Bühnen über Installationen im Teleskopgasbehälter, bis hin zu Walking Acts, DJ-Spots und nächtlichen Closing-Sets im Scheibengasbehälter. Neu im Programm: „Bus Aldrin“, ein ausgemusterter swa-Bus, der sich jeweils ab dem späten Nachmittag in einen vibrierenden Dancefloor verwandelte. Er entwickelte sich mit seinem eigenen Musik-Programm zu einem echten Publikumsmagneten und wurde in den sozialen Medien zum Running Gag des Wochenendes.
Auch mit dem kuratierten Bühnenprogramm setzte das Festival Akzente. Besonders die Entscheidung, die Hauptbühne am Sonntag komplett mit „female fronted Acts“ zu bespielen, wurde vom Publikum und den Acts selbst begeistert aufgenommen. „Dass Acts wie Großstadtgeflüster oder Blond diese Entwicklung selbst auf der Bühne thematisiert und gefeiert haben, hat nochmal unterstrichen, wie wichtig diese Sichtbarkeit für neue wie etablierte Musiker*innen ist“, so die Veranstalter.
Modular denkt Zeitgeist
Das Modular zeigte sich 2026 erneut als Festival mit Haltung. Großen Zuspruch erhielten Projekte wie die Installation im Teleskopgasbehälter in Zusammenarbeit mit SOS Humanity oder künstlerische Walking Acts zum Thema Wasserschutz. Auch das komplett fleischfreie Gastronomiekonzept wurde von den Besucher*innen wieder sehr positiv angenommen. Die kulinarische Vielfalt auf dem Gelände kam bei dem jungen Publikum gut an. So knackte die Vegane Fleischerei mit dem letzten Festivaltag die Marke von 1.000 Leberkässemmeln. Auch das zeigt: Nachhaltige Produkte, regionale Partner*innen und ein bewusst gestaltetes Angebot gehörten für viele junge Gäste ganz selbstverständlich zum Festivalerlebnis dazu. Felicia Lester, stellvertretende Vorsitzende des SJR, sieht darin einen wichtigen Teil der Festivalidentität: „Jugendverbände, Initiativen und junge Menschen greifen auf dem Modular genau die Themen auf, die ihre Generation bewegen. Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung, Beteiligung oder kulturelle Vielfalt sind keine Randthemen, sondern Teil des Modulars.“
Auch der Einsatz der Awareness-Teams sowie die enge Zusammenarbeit mit den Behörden bewährte sich. Trotz der hohen Temperaturen blieb das Festival, laut Behörden, das sicherste Großevent im Raum Augsburg. Allein an der kostenlosen Wasserstation vor dem swa Club Bulli wurden täglich rund 3.000 Liter Wasser ausgegeben.
Augsburg denkt Modular
Gleichzeitig richtet der Stadtjugendring bereits den Blick nach vorne. „Die Gespräche und Rückmeldungen auf dem Festival zeigen uns ganz klar: Jugend braucht Räume, Beteiligung und bezahlbare Kulturangebote“, betont Fabienne Kündgen. „Deshalb sind wir sehr dankbar für den Rückhalt aus der Stadtpolitik und den gemeinsamen Schulterschluss mit der Stadt Augsburg, der es uns ermöglicht, dem Modular 2027 bewusst Zeit und Raum für die Weiterentwicklung zu geben. Denn Jugendkultur darf sich nicht nur auf drei Festivaltage im Jahr beschränken. Junge Menschen wünschen sich noch mehr Mitgestaltung sowie niedrigschwellige und vor allem bezahlbare, im besten Fall kostenlose Angebote. Genau da wollen wir ansetzen.“
Fabienne Kündgen führt das Thema Jugendbeteiligung noch weiter aus: „Wir haben mit dem Aufruf zur Beteiligung zur Zukunft des Modulars auf dem Festival bereits angefangen, aber hören an dieser Stelle natürlich noch lange nicht auf. Dabei geht es uns ausdrücklich um die Beteiligung derjenigen Jugendlichen und jungen Menschen, die bisher keinen Zugang zum Modular hatten, sei es wegen der Ticketpreise, anderer Interessen oder fehlender Berührungspunkte mit dem Modular als Festivalformat. Auch ihnen wollen wir zuhören. Dafür braucht es eine breite, ehrliche und gut aufgestellte Jugendbeteiligung. Und genau darin liegt seit vielen Jahren eine der großen Stärken des Stadtjugendrings. Deshalb werden wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und Modular gemeinsam mit jungen Menschen weiterentwickeln.“
Heidi Hofstetter, Geschäftsführerin des SJR führt unterstützend aus: „Wir sind unglaublich dankbar für den Rückhalt aus der Stadtgesellschaft, von unseren Partner*innen und natürlich von den vielen jungen Menschen, die dieses Festival tragen und mit Leben füllen. Das Modular ist untrennbar mit dem Stadtjugendring verbunden. Wir leben Jugendkultur, wir leben das Modular.“
Der Stadtjugendring bedankt sich ausdrücklich bei der Stadt Augsburg, allen Partner*innen, Sponsor*innen, Sicherheitskräften, Jugendverbänden und Initiativen und allen Menschen, die mit ihrem Beitrag das Community-Ticket auch 2026 wieder ermöglicht hatten. „Ein besonderer Dank für ihren unglaublichen Einsatz gilt den Volunteers der Modular Crew, von denen noch viele in diesen Minuten am Abbau beteiligt sind“, so Heidi Hofstetter.
Modulamore made by Volunteers
Neben Musik, Platzprogramm und Festivalstimmung stand vor allem das Miteinander im Fokus. Über 520 Volunteers engagierten sich im Aufbau sowie an den drei Festivaltagen in unterschiedlichsten Bereichen: von Einlass und Artist Care bis Trash Heroes, Logistik und Platzgestaltung. Viele von ihnen arbeiten bereits seit Monaten ehrenamtlich in der Modular Denkwerkstatt und den 14 Arbeitskreisen an eigenen Projekten und Konzepten. Damit tragen sie einen wesentlichen Teil zur Ausgestaltung und Organisation des Festivals bei. „Die ehrenamtliche Crew ist auch 2026 wieder Herzstück des Festivals“, so Julia Appel vom Modular Team und Verantwortliche für die Ehrenamtskoordination. „Raum für diese Kreativität und das Miteinander aufzumachen ist in meinen Augen eine der zentralsten Aufgaben in der Koordination der ehrenamtlichen Crew – und dazu gehört es auch mal waghalsig erscheinende Ideen mit Mut zu begleiten. Am Ende sind es genau diese Projekte, die auf dem Platz für die ganz eigene Modular Atmosphäre sorgen. Die Gemeinschaft, die entsteht, wenn alle ihren Beitrag zum großen Ganzen leisten und sich in dem, was wir tun, wiedererkennen, ist einmalig!“
Während auf dem Gaswerkgelände also die letzten Gabelstapler fahren, bleibt für viele Beteiligte vor allem eines zurück: das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Oder wie es aus der Modular Crew zu hören war: „Das Festival ist zu Ende, aber das Modular-Feuer brennt weiter in unseren Herzen.“
Modulamore halt.
Fotos: Neue Szene/David Anzaldua






