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Kultur

Anarchisch und überraschend

Pecha Kucha? Marcus Ertle und Natia-Marta Tsikelashvili klären auf...

Zum besseren Verständnis, ausgesprochen wird es: Pe-tschak-tscha (japanisch: Wirres Geplauder). Gut, das alleine dürfte wohl nicht als Info ausreichen, also holen wir ein wenig aus. Es begann in Tokio im Jahr 2003, zwei Architekten waren von den eintönigen, nicht enden wollenden Powerpoint-Vorträgen ihrer Kollegen schwer genervt. Also dachten sie sich ein Vortragsformat mit folgender Regel aus: Jeder Sprecher darf 20 Folien benutzen und jede Folie darf nur 20 Sekunden lang stehen bleiben. Was vor zehn Jahren in Tokio als erfrischende Neuerung einer vertrockneten Praxis begann, hat sich inzwischen weltweit zur vergnüglichen Unterhaltung entwickelt.
Unterschiedlichste Referenten treten mit unterschiedlichsten Themen an und präsentieren diese im 20 x 20 Format, ein Vortrag dauert also idealerweise nicht länger als sechs Minuten und 40 Sekunden. Thematisch gibt es dabei keinerlei Einschränkungen.

Es gibt ja die allgemein bekannte Regel, dass alles, was mal in Tokio war, irgendwann auch mal in Augsburg sein wird. Ach Quatsch, nein, in New York, aber die Regel hätte so gut gepasst. Auf jeden Fall ist Pecha Kucha seit Spätsommer 2012 in Augsburg angekommen. Was ist davon zu halten? Nicht wenig. Anders als das inzwischen etwas ausgeleierte und von Profis kommerzialisierte Format des Poetry-Slams, ist Pecha-Kucha angenehm anarchisch und überraschend (Sorry, Horst Thieme, ist nun mal so).
Das heißt nicht, dass das Niveau der Präsentationen durchweg hoch ist, muss es aber auch nicht sein, denn durch die schnelle Abfolge der Folien und der kurzen Vortragsdauer schaffen es nicht mal verbale Betäubungsprofis, das Publikum nachhaltig einzulullen. Thematisch reicht die Spannbreite beispielsweise von veganem Essen, über georgische Trinkgewohnheiten bis hin zu asiatischer Gesichtserkennungsphilosophie (ist wirklich so kurios, wie es sich anhört).

Gibt es so etwas wie das typische Pecha-Kucha-Publikum? Ja, tendenziell sind es wohl Leute aus der kreativen Szene, also irgendwas zwischen Designer, Werbetexter, Journalist und solchen, die kreativ aussehen und bei denen man einfach mal vermutet, dass sie irgendwas Kreatives machen. Eine weitere Spielart des Pecha-Kucha, ist das PowerPoint-Karaoke. Hier werden einem Freiwilligen aus dem Publikum Überraschungsbilder im 20x20-Format vorgelegt und er muss sich dazu etwas Originelles einfallen lassen. Eine Idee, die nicht selten Stand-up-Comedy Talente zutage fördert. In diesem Sinne: Licht aus, Pecha-Kucha an.

Info:
Im Max30.1 - die Office-community in Augsburg
Maximilianstr. 35, im 1. Stock über dem Sausalitos

pechakuchaaugsburg@googlemail.com
(me, nm)

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