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Angeklagt: Bertolt Brecht

Im Sensemble Theater muss unser aller "Enemy Alien Brecht" auf die Anklagebank. Doch keine Angst, der Mann ist Profi...

Für wen hat er denn nun geschrieben und was wollte er eigentlich sagen, dieser verdammte Brecht? Sensemble-Chef Sebastian Seidel nimmt in seinem einmalig am Montag, 04.02., aufgeführten Stück "Enemy Alien Brecht" die bekannten Meinungsverschiedenheiten in Wissenschaft, Politik und Publikum über Augsburgs großen Sohn auf die Schippe und baut gewohnt schnippisch die spezielle Situation in Brechts Heimatstadt ein. Anspielungen auf neue und alte Festivalleiter dürfen da nicht fehlen und sogar die herbe Kritik der DAZ am letztjährigen Brechtfestival (und dem dazugehörigen Seidel-Stück "Plan B") wird thematisiert. Zeuge der Anklage gegen die wohl anspruchsvollste Augsburger Internetpublikation ist Literatur- und Brechtikone Kurt Idrizovic. Der Augsburger Impro-Schauspieler Florian Schur vertrat den erkrankten Experten Jan Knopf.

Florian Fisch als (unterstellt) durchaus authentischer Brecht – "seit Jahrzehnten durch die Aufführungen meiner Stücke und verschiedene Brecht-Festivals mal besser oder schlechter künstlich am Leben gehalten" - darf leider, leider keine Erklärung verlesen, von denen er doch so viele parat hätte, und muss miterleben, wie Ralph Jung als "Inquisitor" unser aller Fragen formuliert, Widersprüche aufzeigt und dem armen Bert die altbekannten Vorhaltungen macht: Kommunist, Marxist, Kapitalist, Plagiator oder doch nur gerissener Selbstinszenierer? Und mit ihm bekommen auch wir keine Antworten. Das in Stein gemeißelte "It ain’t me babe" des großen Dichters, "in der Rangfolge der deutschen Schriftsteller gleich nach Goethe", wird erneut nicht durchdrungen, er verschwindet schließlich hinter dem berühmten Fragen-Vorhang, auf dem afrikanische Jugendliche in einem YouTube-Video das Solidaritätslied performen.

Der Schlusssatz des Vorsitzenden ist bezeichnend: "Wir vertagen die weitere Verhandlung aufs kommende Jahr" – und das ist als Drohung zu verstehen. Und vielleicht sogar als ein Appell an die Festivalleitung. Dem Publikum im Sensemble Theater hat's auf jeden Fall gefallen.

Foto: Eric Zwang-Eriksson

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