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Blümchensex ja - aber verdammt guter

Im Sensemble feierte "Alle sieben Wellen" Premiere - die Fortsetzung der E-Mail-Liebe aus "Gut gegen Nordwind"....

Im Sensemble Theater feierte am Freitag, 28.11., "Alle sieben Wellen" Premiere - die Fortsetzung der E-Mail-Liebe aus "Gut gegen Nordwind".

Es gelingt selten genug, einen Erfolg auf hohem Niveau zu wiederholen, doch der Wiener Autor Daniel Glattauer schafft es auch im zweiten Teil seines E-Mail-Liebesromans "Gut gegen Nordwind" (der immerhin für den deutschen Buchpreis nominiert wurde), die Story mit Esprit und Witz fortzuschreiben. "Alle sieben Wellen" hat eigentlich nur ein Manko, das Happy End. Wenn man das als solches bezeichnen will...

In der Inszenierung des Sensemble Theaters sehen wir wieder Kerstin Becke und Ralph Jung in der Regie von Jörg Schur, also das Team, das schon den "Nordwind" zu einem fulminanten Theaterspaß gemacht hat. Unser Lieblingsliebespaar Emmi und Leo knüpft nach monatelanger Funkstille erneute Kontakte, via elektronischer Post zunächst, aber zunehmend auch im "wirklichen Leben".

Die tatsächlichen Treffen werden im Stück jedoch nur angedeutet, der Text besteht ausschließlich aus dem "Briefverkehr", der von kürzesten Einwortmails bis zu langen Ausführungen und Bekenntnissen reichen kann, der Streit sein kann und Versöhnung, Verhandlungen, Abbruch derselben bis hin zum Schlussmachen..., und konsequent ins Publikum gesprochen wird. Dessen Sympathien haben die beiden Charaktere und ihre Darsteller von der ersten Minute an auf ihrer Seite, nicht zuletzt dank der zahlreichen Bonmots. Man möchte bisweilen den Block zu zücken, um Zitate zu notieren, von "Du lebst dein Leben, ich lebe mein Leben und den Rest leben wir gemeinsam" bis zu "Du bist mein Tagebuch – aber ein Tagebuch, das lebt".

Im Vergleich zu manch anderer Beziehungsbearbeitung auf deutschen Bühnen – passenderweise ist ein gutes Beispiel zurzeit auf der Brechtbühne zu sehen mit Moritz Rinkes "Wir lieben und wissen nichts" - ist das natürlich der reinste Blümchensex. Aber verdammt guter! Und ehrlicherweise sind die inneren und äußeren Prozesse und Konflikte von "Alle sieben Wellen" trotz aller Unwahrscheinlichkeit, dass aus einer falsch adressierten E-Mail eine solche Beziehung entsteht, doch etwas näher dran am Alltag, als Sex im Fahrstuhl mit dem Wohnungstauschteilnehmer, der seine Frau in einer Kühlbox junghält...

"Alle sieben Wellen" läuft im Januar wieder - und wir wagen mal die Prognose, dass es sich lohnen könnte, den Vorverkauf zu nutzen. (flo)

Foto: Sensemble

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