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Brechtschämen
Groß waren die Hoffnungen, dass das Theater Augsburg nach den tollen Bayerischen Theatertagen nun dem Brechtfestival neues Leben einhauchen würde. Aber da waren wir wohl zu naiv, der Langsche Mehltau gewann auch am vergangenen Wochenende die Oberhand. Immerhin, den ersten Lacher des Brechtfestivals hatte der künstlerische Leiter auf seiner Seite: "Augsburg ist zehn Tage lang im Ausnahmezustand", fantasierte Joachim Lang bei der Eröffnung am Freitag - nach Ende der vollkommen verunglückten Auftaktveranstaltung musste man froh sein, dass in den folgenden Tagen überhaupt noch jemand kam.
Auch von der vielbeschworenen "Heimkehr" des Festivals ans Theater Augsburg war nicht viel zu spüren, zumindest auf der "Langen Brechtnacht" wurde der verlorene Sohn eher skeptisch-ablehnend empfangen. Was nicht verwundert, das Theater hat bekanntermaßen Probleme mit geballt auftretenden jungen Menschen (die nicht mal allzu jung waren...). Auch programmatisch war wenig zu holen, Acts wie Max Prosa, Iris Romen, Dirty Honkers oder Slut gehen locker als "ganz nett" durch, relevant oder gar kontrovers sind sie auf keinen Fall. Interessant wäre z.B. gewesen, von der Ingolstädter Band Slut etwas über ihre nicht ganz unproblematischen Erfahrungen mit der "Dreigroschenoper" und den Weill-Erben zu erfahren, das Festival setzt dagegen wie gehabt auf Anekdotisches, gerne auch in Form von erschreckend lieblos zusammengeschusterten Filmschnipseln.
Der erste große Theaterabend sollte dann Thomas Thiemes "Baal" am Sonntag sein – und der ließ wenigstens seine Fans nicht im Stich. Nach einer kumpelhaft-kauzigen Einführung präsentierte Thieme an der Seite seine Sohnes am E-Bass eine "konzertante Aufführung" des Brecht-Stücks, die auf ihre Art durchaus etwas Besonderes war. Allzu verausgabt hat sich der bekannte Schauspieler dabei aber auch nicht, der darstellerische Rahmen blieb doch sehr limitiert. Überraschendes oder Mitreißendes war auch viel Fehlanzeige.
Das Augsburger Brechtfestival bleibt also ganz offensichtlich der Linie treu, die in Joachim Langs innigen Dankesworten an die beiden Dino-Stadträte Bernd Kränzle (CSU) und Karl-Heinz Schneider (SPD) erneut zum Ausdruck kam: Der TV-Redakteur serviert seinen betagten Auftraggebern leicht bekömmliche Hausmannskost, die er noch dazu in seiner Eröffnungsrede so engagiert und begeisternd präsentierte, dass Kurt Gribl dagegen pures Rhetorikdynamit war. Das Erschreckende daran: Das Theater Augsburg reiht sich (zumindest bis jetzt) ganz gut ein - in den "Ausnahmezustand"...






