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Hat jemand Brecht bestellt?
Am Dienstagnachmittag hat Festivalleiter Joachim Lang mit der üblichen Euphorie ("Sie sind alle herzlich eingeladen!") im Kulturausschuss das Programm des Brechtfestivals 2015 vorgestellt.
"Brecht und Exil" dauert von 29.01. bis 10.02. und birgt wenig Überraschendes. Die Akteure sind weitgehend aus früheren Ausgaben bekannt, seien es Augsburger Beteiligte wie das Faks Theater oder Bluespots Productions, das Sensemble Theater oder die Musiker Isabell Münsch und Geoffrey Abbott. Und natürlich gibt Jan Knopf wieder den wissenschaftlichen Sidekick.
Auch die meisten nationalen Größen kennt man aus den Vorjahren, allen voran Thomas Thieme, den laut Joachim Lang "vielleicht wichtigsten deutschen Schauspieler", der in Augsburg "Das Leben des Galilei" mit einem Kinderchor aufführen will. Sein Kollege Burghart Klaußner ist ebenso wieder von der Partie. Spektakuläre Buchungen wie zuletzt Patti Smith sind bis jetzt nicht angekündigt.
Durchaus sehenswert – wenn auch nur bedingt aktuell - dürfte das Gastspiel des Berliner Ensembles "Mutter Courage und ihre Kinder" sein, das in der Inszenierung von Claus Peymann 2005 Premiere feierte, aber mit Hauptdarstellerin Carmen Maja-Antoni nach wie vor im Repertoire des berühmten Theaters zu finden ist. Immerhin will Peymann auch kommen.
Das Theater Augsburg bringt "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" auf die Bühne. Die Reihe "Exilschriftsteller" gestalten Vertreter aus Tunesien und Syrien sowie der Journalist Ulrich Ladurner (Die Zeit) in den Flüchtlingsheimen Calmberg- und Ottostraße und im Grandhotel Cosmopolis. Eine "Politische Diskussionsrunde zur Flüchtlingsproblematik mit Politikern" soll es ebenfalls geben, die Teilnehmer stehen noch nicht fest.
Im Rahmen der "Langen Brechtnacht" am 31.01. sind Mia aus Berlin angekündigt, die hier noch was gutzumachen haben, nachdem sie im März vergangenen Jahres ihr Konzert in der Stadthalle Gersthofen kurzfristig absagten. Außerdem wird Peter Licht ein zweites Gastspiel nach 2012 geben. Einen Hauch von Revolution verspricht die norddeutsche Punkband Feine Sahne Fischfilet (Foto), die wegen "linksextremistischer Bestrebungen" vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern beobachtet wird. Leider spielen die streitfreudigen Rostocker "vor den Stadttoren" in der Kantine, was natürlich nicht gegen den Club im Kulturpark West gerichtet sein soll, aber ein Zusammentreffen mit Kapitalismus-Beender Peter Licht, der im Großen Haus auftreten wird, wäre sicher ein spannendes Package geworden.
Ob Festivalleiter Joachim Lang auch nach 2015 das hiesige Brechtspektakel verantwortet, wurde in der Sitzung nicht thematisiert. Die anschließende Diskussion im Ausschuss kam über die ebenfalls schon oft gehörten "Bedenken" der Grünen und die eher hilflosen Verteidigungsreden von CSU und Pro Augsburg nicht hinaus. Eine gewisse Grundmüdigkeit ist auch hier nicht zu übersehen. Das Programm 2015 soll offiziell im Rahmen einer Pressekonferenz am 04. Dezember vorgestellt werden, dann startet auch der Kartenvorverkauf. (flo)
Foto: owieole






