Herr B. geht ins Theater

Wenn man die üblichen Floskeln, die fast schon zwangsweise kommen, wenn man solche Pressekonferenzen abhält, beiseite lässt, erwartet die Zuschauer des Brechtfestivals 2013 ein rundes Programm, das keine großen Überraschungen bietet, aber mit dem neuen örtlichen Mittelpunkt zumindest die Chance hat, von 01. bis 10. Februar ein echtes Festival zu werden.

Warum BR-Moderatorin Anja Marks die Programmvorstellung am Dienstag in der Brechtbühne moderieren musste, bleibt indes das Geheimnis der Veranstalter, zumal Kulturreferent Peter Grab, Intendantin Juliane Votteler und Festivalleiter Joachim Lang ihre Reden sowieso längst parat hatten - und auch den als Gaststar angereisten Schauspieler Thomas Thieme muss man für gewöhnlich nicht lange bitten. Um den Floskeln kurz die Ehre zu geben: "jetzt schon historisch", "ganz wunderbar" (Marks), "dieses Jahr ganz besonders" (Grab), "was völlig Neues" (Lang).

Das völlig Neue wird uns nun die nächsten drei Jahre begleiten und bedeutet natürlich die Anbindung des Brechtfestivals ans Theater Augsburg. Eine "sehr gute Fügung", wie Intendantin Votteler betonte, schließlich beschäftige man sich seit ihrem Amtsantritt 2007 mit dem jungen Brecht. Nun soll also das Werk im Mittelpunkt stehen, vornehmlich das frühe, im Gegensatz zu den Einzelaspekten Musik, Politik und Film der Vorgängerausgaben.

Und der junge Brecht heißt natürlich: der Augsburger Brecht, in dessen frühem Schaffen laut Festivalleiter Joachim Lang bereits die Grundlagen für seine spätere Wirkung zu erkennen sind. Angekündigt sind eine vielversprechende Inszenierung von "Baal" mit Thomas Thieme und seinem Sohn am Bass, "Im Dickicht der Städte" des Theaters Augsburg sowie Brechts erstes Stück, das er als 15jähriger geschrieben hat: "Die Bibel" in der Inszenierung von Johanna Schall. Das Dresdner Staatsschauspiel steuert seine "Dreigroschenoper" bei, Sensemble-Chef Sebastian Seidel widmet sich der (politischen) Brechtrezeption mit seinem Stück "Enemy Alien Brecht".

Auch die Lange Brechtnacht wird es wieder geben, den Erfolgsslam "Poetry Dead or Alive“, reichlich Musik (u.a. von Slut und Max Prosa), Vorträge und natürlich Augsburger Künstler von Misuk über Bluespots Productions bis zu Isabell Münsch und das Faks Theater.

Veranstaltungsorte sind, neben Großem Haus, Brechtbühne und Hoffmann-Keller: Schwarzes Schaf, Sensemble Theater, Brechthaus, Orangerie, Brechts Bistro, Parktheater, Augustana-Saal, Grandhotel Cosmopolis (in dem zurzeit aus Brandschutzgründen keine Veranstaltungen stattfinden dürfen), Stadtwerke, Barfüßerkirche und die Stadtsparkasse in der Halderstraße, in der "Schätze der Augsburger Brechtsammlung" gezeigt werden sollen.

Am kommenden Samstag wird bekannt gegeben, wer den diesjährigen Brecht-Preis bekommt, der am 08.02. im Rathaus überreicht wird. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle drei Jahre verliehen. Der letzte Preisträger nach Größen wie Franz Xaver Kroetz und Robert Gernhardt war der frühere Leiter des Brechtfestivals, der Autor Albert Ostermaier. Die Laudatio seines Schriftstellerkollegen und Freundes Friedrich Ani war ein Höhepunkt des Brechtfestivals 2010, oder, wie es Anja Marks ausdrücken würde, ganz wunderbar.

Das komplette Wunder findet ihr hier: www.brechtfestival.de

Foto oben: Brecht um 1918 (Copyright: Stadt- und Staatsbibliothek Augsburg)

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