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"Meine Fresse!"
Falls irgendjemand noch unsicher gewesen sein sollte, warum das Augsburger Brechtfestival so ist, wie es ist: Am Dienstag im Kulturausschuss gab es ein weiteres Mal Nachhilfe. CSU-Stadtrat Erwin Gerblinger brachte es so auf den Punkt: "Ich konnte bisher mit Brecht nichts anfangen." Jetzt kann er es offenbar. Und da lässt man natürlich ungern los: "Einem neuen Konzept stimme ich auf keinen Fall zu", ließ er seine Kollegin Verena von Mutius von den Grünen wissen. Ihm zur Seite standen wie gehabt die Lang-Fans Bernd Kränzle (CSU) und Karl-Heinz Schneider (SPD), die sich auch nach drei Jahren noch gerne den Brecht erklären lassen wollen.
Doch zunächst mal war Festivalleiter Joachim Lang ja eigentlich angereist, um das Defizit von knapp 60.000 Euro (Opposition) bzw. 36.000 Euro (Peter Grab) beim Brechtfestival 2012 zu erläutern. Das war schnell geschehen: ausfallende Sponsoren, weniger verkaufte Tickets, höhere Kosten für z.B. Security bei der Brechtnacht, und ein erzwungener Umzug der Gäste aufgrund eines Wasserschadens im Steigenberger. Das Defizit soll nächstes Jahr durch Einsparungen reingeholt werden.
Wer nun präzise und harte Nachfragen der Opposition erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht, es gelang Verena von Mutius sowie den beiden Vertretern der Linken, Benjamin Clamroth und Alexander Süßmair, nicht mal annähernd, den Festivalleiter oder den Kulturreferenten in Verlegenheit zu bringen. Noch schlimmer, erst nach mehrmaliger Aufforderung seitens der Regierungsfraktionen richteten sie reichlich verunglückte Fragen direkt an Lang.
Die Sache war, gelinde gesagt, ein Trauerspiel, das von Pro Augsburgs Feingeist Rolf Harzmann passenderweise mit "Meine Fresse!" kommentiert wurde, bevor er erklärte, "die Sabbelei" "zum Kotzen" zu finden. Soviel zum Niveau im Kulturausschuss, dessen Vorsitzender Peter Grab in gewohnter Manie(r) viel Zeit damit verbrachte, Presse und geschwätzige Kollegen zu rügen, bis sogar die Verbündeten von der CSU irgendwann abwinkten.
Die Hoffnung ruht nun auf einem, der sich kurz zuvor in den Urlaub verabschiedet hatte: Beim kommenden Brechtfestival soll Oliver Brunner, der mit einer guten Bilanz der Bayerischen Theatertage im Kulturausschuss vorstellig geworden war, das halbtote Kind vom Eis holen. Joachim Lang blieb bei seinem Ausblick auf das Festival 2013, das hauptsächlich im Theater Augsburg stattfinden soll, gewohnt vage ("Vielleicht der junge Brecht"). Die Frage, ob neben Brunner und der Theaterleitung überhaupt noch ein Festivalleiter nötig ist, wurde auch am Dienstag nicht beantwortet. Vorhang zu. Sommerpause.






