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Kultur

Odyssee mit Gazastreifen

Mit zwei aktuellen Stücken aus Israel eröffnete das Theater Augsburg die Schauspielsaison auf der Brechtbühne...

Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass hier eine große Chance vertan wurde. Mit zwei aktuellen Stücken aus Israel eröffnete das Theater Augsburg am Samstag unter dem Obertitel "Israel, mon amour" die Schauspielsaison auf der Brechtbühne: dem Monolog "In Spuckweite" über einen Palästinenser mit israelischem Pass, der am 10. September 2002 in Paris nicht an Bord seines Flugzeugs gelassen wird (am Tag darauf aber schon), sowie "Ulysses auf dem Flaschenfloß" über die Verhältnisse im Gazastreifen, festgemacht am Schicksal eines etwas wirren Ex-Lehrers, der die dortigen Bewohner mit Literatur versorgen will. Inszeniert hat der Chef persönlich, Schauspieldirektor Markus Trabusch.

Seltsamerweise beginnt die Verwirrung schon beim Ankündigungstext. Das Theater Augsburg preist "In Spuckweite" als "wütenden Monolog" an - Darsteller Martin Calvin ist so wütend wie Joachim Gauck beim Tag der offenen Tür auf Schloss Bellevue. Und auch bei "Ulysses auf dem Flaschenfloß" ist die im Programm gestellte Frage, ob es sich beim Protagonisten "um einen naiven Idealisten oder einen ganz perfiden politischen Provokateur" handelt, nie von Bedeutung, dafür ist die Darstellung von Tjark Bernau viel zu eindimensional angelegt. Die fast schon reißerischen Ankündigungen sind ebenso unnötig wie unpassend.

Und es bleibt unverständlich, was nicht zuletzt der Thematik geschuldet ist: Die Schizophrenie der Situation am Flughafen, die unerträglichen Zustände im Gazastreifen, obwohl man nahezu täglich davon in den Nachrichten hört, ist dem deutschen Durchschnittstheaterbesucher diese Welt doch sehr fremd. Leider kommt man ihr auch an diesem Abend nur wenig näher. Wobei die Message so einfach ist - oder vielleicht gerade deswegen.

Dem gesamten Ensemble (neben Bernau und Calvin spielten Judith Bohle, Alexander Darkow und Eberhard Peiker) schien es nicht viel besser zu ergehen, die Schauspieler agierten oft ungewohnt fahrig, als ob man den Text schnell hinter sich bringen wollte bzw. bei den Proben zu schnell in Klischees abgerutscht ist und sich (aus Mangel an Zeit?) damit zufriedengegeben hat. Das Ergebnis ist ein etwas hilfloser Theaterabend, der sich nicht durchringen kann, die Offensichtlichkeiten der Thematik zu verlassen. Etwas mehr Vertrauen in die Texte, Mut zur Interpretation außer der Reihe und Sorgfalt bei der Erschließung der Stücke hätten sicher gut getan. Angesichts der spannenden Sujets ist das doppelt schade.

Fotos: Copyright Nik Schölzel

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