Radio Kaspar Hamlet

Der neue Pragmatismus am Theater Augsburg: Der Spielplan der Saison 2013/14 kommt als Terminkalender, der Opernball widmet sich den 80ern (die Klamotten haben alle noch von der letzten Bad Taste Party im Keller) und mit dem Brandner Kaspar und Hamlet kommen zwei Stücke, die sogar RTL2-Gucker zumindest vom Hörensagen kennen dürften.

Das Direktorium um Intendantin Juliane Votteler zeigte sich auf der Pressekonferenz am Montag auf jeden Fall euphorisch angesichts des neuen Spielzeitprogramms und selbst KuSpo-Bürgermeister Peter Grab fasste sich kurz, "um möglichst viel von der Präsentation mitzubekommen".

Wir von der Neuen Szene freuen uns indes besonders, dass das Theater unserem Rat gefolgt ist, das Augsburger Talent Mark Schröppel mal ranzulassen: Der Student der Theaterwissenschaften in Gießen darf mit seiner Truppe SKART im Herbst einen ganzen Abend in der Brechtbühne gestalten.

Für die beiden großen Namen im Schauspiel, "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" nach Franz Kobell und Shakespeares "Hamlet, Prinz von Dänemark" zeichnet Schauspieldirektor Markus Trabusch veranwortlich, der sich jetzt schon damit beschäftigt, wie der bayerische Himmel wohl aussehen könnte.

Das aufwendigste Projekt der Spielzeit ist aber nicht der Himmel des Freistaats, sondern Luigi Nonos "Intolleranza 1960", das gleich auf zwei Etappen im September Premiere feiert und mit verstärktem Chor an die "Grenze des Machbaren" stößt, wie Intendantin Juliane Votteler sich ausdrückte. Die "szenische Aktion" des italienischen Komponisten vereint dokumentarische und lyrische Texte, u.a. von Bertolt Brecht, und dürfte an alle Protagonisten große Herausforderungen stellen – gut also, dass bei den nur acht Aufführungen in gut zwei Wochen der scheidende Generalmusikdirektor Dirk Kaftan noch den Taktstock schwingt.

Im Nachfolgerstück zu "Die Weber" wird Augsburgs tragische Bombennacht vom Februar 1944 thematisiert. Für "Operation Big Week" konnte mit Hans-Werner Kroesinger einer der großen Namen des deutschen Dokumentartheaters gewonnen werden, womit zu hoffen ist, dass diesmal allzu rührseliges Augsburg-Erinnern vor der Textiltür bleibt.

Der Start in die Spielzeit gehört einem weiteren beliebten Krisenthema: Im Mittelpunkt von Ibsens "John Gabriel Borkman" steht ein gescheiterter Bankier. Dazu passt das diesjährige Märchen, Wilhelm Hauffs "Das kalte Herz", und Brecht ja eh immer, 2014 dann mit "Der gute Mensch von Sezuan" - noch dazu unter griechischer Regie. Apropos Brecht, den Liederabend "Die Bekenntnisse der Marion Krotowski" gestaltet Christian Friedel, den Augsburgern noch in bester Erinnerung als Mackie Messer in der Dresdner "Dreigroschenoper".

Auch das Ballett startet mit einem altbekannten Stoff: "Das Bildnis des Dorian Gray" von Michael Pink nach Oscar Wilde. Auf "Where I end and you begin" würden sich Radiohead-Fans freuen, wenn sich Radiohead-Fans überhaupt noch auf irgendwas freuen würden. Auf jeden Fall stammt die Musik zu dem Stück des slowenischen Choreographen Edward Clug von Oberheulsuse Thom Yorke und seiner Band. Nichtsdestoweniger bezeichnete Augsburgs Ballettdirektor Robert Conn die Begegnung mit Clug als seinen "Wow-Moment" der letzten Jahre.

Im Musiktheater steht natürlich "Intolleranza" im Vordergrund, dicht gefolgt von Verdis Oper "Rigoletto" von 1851, die im neuen Jahr von Wagners "Lohengrin" von 1850 ergänzt bzw. kontrastiert wird. Dazwischen gibt's ein konzertantes "Porgy and Bess" von George Gershwin und die Oper "Pelléas et Mélisande" von Claude Debussy. Die Freilichtbühne wird 2014 nicht minder klassisch beschallt mit dem Gassenhauer "My Fair Lady".

Für die weiterhin hohe Beliebtheit der Sinfoniekonzerte im Kongress am Park sollen u.a. prominente Mitwirkende wie der Augsburger Cellist Maximilian Hornung, die Domsingknaben, die Sängerin Brigitte Fassbaender und die Pianisten Andrei Gavrilov und Joseph Moog sorgen.

Gute Nachrichten kommen derweil von der Abonnentenfront: Allein 148 Neuanmeldungen gab's laut Geschäftsleitungsmitglied Anna Loose beim neu eingerichteten Ballett-Abo.

Das Bild oben zeigt Kulturreferent Peter Grab und Intendantin Juliane Votteler bei der Spielplanpräsentation. Unten ein Ausschnitt aus dem neuen Programmheft sowie aus der Besprechung von Mark Schröppels Theaterdebüt in Gießen in der Dezember-Szene 2011.

Rubrik: 
Magazingalerie: 

Weitere News zum Thema

Corona-Kunst-Projekt im moritzpunkt

Verfasst von Neue Szene am 27.07.2020

Das Team des moritzpunkts hat Künstler eingeladen, die "Corona-Distanz" kreativ zu verarbeiten...

Modular Festival bedankt sich für Unterstützung

Verfasst von Neue Szene am 22.07.2020

Ticketrückgabe noch bis 31.07. möglich ...

ROY 2020 – Das sind die Gewinner

Verfasst von Neue Szene am 14.07.2020

Augsburger Pop-Preisträger in diesem Jahr online gewürdigt