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Rumble about the jungle

Am Samstag feierte "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes" Premiere im Sensemble Theater...

Eigentlich ganz schön fies. An Pärchenclashs auf der Bühne ist man ja durchaus gewohnt, aber das Thema Entwicklungshilfe noch einzuspannen in das Beziehungstohuwabohu der vier Mediziner, ist schon eine besondere Delikatesse in Roland Schimmelpfennigs "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes", das am Samstag, 07.03., Premiere im Sensemble Theater feierte.

Dass der meistgespielte deutsche Gegenwartsdramatiker bei der Namensgebung nicht an den "Gott des Gemetzels" gedacht hat, ist unwahrscheinlich. Auf jeden Fall aber legt er den Finger auf eine ganze Reihe offener Wunden, die, wie Martin im Stück des Öfteren betont, sich einfach nicht schließen wollen. Ohne explizit genannt zu werden, springen in dem Aufeinandertreffen der daheimgebliebenen Häuslebauer Liz und Frank und der sechs Jahre lang in Afrika an sich selbst und anderen arbeitenden Karen und Martin auch noch Ebola und die aktuelle Diskussion um Masernimpfungen aus der Stereotruhe – "der Feind" steht also längst nicht mehr nur vor dem Garagentor, sondern bereits mitten im Wohnzimmer.

Schimmelpfennigs Techniken sind bekannt und funktionieren auch hier prächtig: das Heraustreten einzelner Figuren während die anderen Darsteller einfrieren, die Textwiederholungen, das Spiel mit der Zeit, den Inhalten und Bedeutungen – und plötzlich wird das Vortragen eines Kochrezeptes zum kurzzeitigen Höhepunkt, dem man gerne noch länger zugehört hätte. Der Autor stellt in 80 Minuten Spielzeit mehr Fallen auf als Brecht in vier Stunden.

Regisseur Sebastian Seidel setzt diesen "Rumble about the jungle" konsequenterweise in einen Boxring, in dem die beiden Gattinnen mehrmals mit den stets griffbereiten Handschuhen und den Ehemännern als Trainern aufeinander losgehen, inklusive Videoeinspielungen in Zeitlupe. Das weit tiefere Unbehagen verbreiten indes die verwendeten "Spielzeug"-Puppen, die barbieähnliche "Peggy Pickit" als westliche Vertreterin und eine hölzerne aus Afrika, die es nur mit Mühen zum eigenen Namen schafft. Das ganze Fiasko wird noch dazu getoppt im regelmäßig erklingenden "We Shall Overcome", das in den Versionen verschiedener Interpreten auch den letzen bürgerrechtsbewegten Folkfan kleinkriegt.

Da steckt also ganz schön viel drin in dem Stück mit dem komischen Namen, die komplette Sensemble-Mannschaft wirkte nach der Premiere einigermaßen erschöpft. Eine respektable Teamleistung, in der natürlich allen voran die Darsteller - Dörte Trauzeddel, Florian Fisch, Daniela Nering und Heiko Dietz (Bild oben v.l.) - ganze Arbeit leisten. Wenn der letzte Gong ertönt, blickt man als Zuschauer doch etwas verwundert auf die Uhr, vielleicht auch, weil man den unangenehmen Fragestellungen gerne noch ein Weilchen aus dem Weg gegangen wäre. Eins aber steht fest: Das Publikum ist ein klarer Gewinner dieses Theaterabends. (flo)


Die nächsten Termine: 13.03. (Publikumsgespräch mit dem Regisseur), 14.03. (mit Susanne Fuchs von "Eltern für Afrika"), 27.03. (mit Raphael Marcus von "Humedica"), 15., 17.04. (mit Elisabeth Rennig, "Plan international"), 18., 23., 24., 25.04. (Dernieren-Feier)

Foto: Sensemble Theater

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