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Textmassen und Theaterdonner

"Operation Big Week", der "Dokumentartheaterabend" zur Augsburger Bombennacht von 1944, feierte am Samstag Premiere in der Brechtbühne...

"Operation Big Week", der "Dokumentartheaterabend" zur Augsburger Bombennacht von 1944, feierte am Samstag Premiere in der Brechtbühne. Verantwortlich für die Inszenierung zeichnet der Regisseur Hans-Werner Kroesinger, der als Koryphäe des Genres gilt.

Wenn ein Dokumentartheaterstück zur Bombennacht angekündigt wird, weiß man eigentlich auch schon, wie das dann aussehen wird: Die Schauspieler sprechen ganz viel Text aus ganz vielen Quellen, um ja den Vorwurf zu vermeiden, hier werde auf die Einzelschicksalstränendrüse gedrückt. Das gelingt mehr oder weniger gut, ist meistens anstrengend, vor allem für die Schauspieler selbst, die dann oft genug im "Infobeat" untergehen. Der Zuschauer hat den Vorteil, statt die Fakten mühsam nachlesen zu müssen, sie hier schlaglichtartig serviert zu bekommen.

Das gilt auch für "Operation Big Week", das Stück zur Augsburger Bombennacht im Februar 1944. Ein sichtlich konzentriertes Ensemble - Sarah Bonitz, Eva Maria Keller, Tjark Bernau, Klaus Müller, Eberhard Peiker und Ulrich Rechenbach - kämpft sich wie Trümmerfrauen durch hochinteressante, aber auf die Schnelle kaum zu verarbeitende Textmassen, spielerische Szenen lockern das Ganze auf und wirken in der Kürze der Zeit immer etwas angestrengt, schließlich springt das akustische Bomberdröhnen hilfreich zur Seite und baut die nicht ganz unproblematische Brücke zwischen Guido Knopp und Peter Weiss, Fakten und Effekten.

Dokumentarfilm sei die Kunstform der Zukunft, hat neulich ein Regisseur im Deutschlandfunk gesagt. Ob History-Dokus wirklich der neue Stoff für die Theater sind? Die Infoflut eins zu eins auf die Bühne gebracht? Stücke wie Lexikoneinträge?

Auch in Augsburg ist irgendwie alles gut gemeint, alle Seiten kommen zu Wort und mit einem letzten Verweis auf Syrien ist auch der Aktualität Genüge getan. Die ganze Hektik auf der Bühne hilft jedoch weder dem Publikum noch den Darstellern. Klar, wer diese Stoffmasse darstellen will, kann wohl gar nicht anders. Seine Art von Theater sei "eher ein Arbeits- als ein Erlebnisangebot", hat Regisseur Kroesinger seinen Kritikern mal entgegnet. Das atemlose Faktentanzen vor dem Reichsadler mit Theaterdonnergrollen hat unbestritten seinen Reiz, ist aber auch eine Gratwanderung, Abstürze inklusive. (flo)

Fotos: A. T. Schaefer

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