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Wenig Enthusiasmus für ein gutes Programm
Gut, dass das Brechtfestival dann doch etwas spannender ist als die Präsentation, zumindest meistens. Die Programmpressekonferenz am Montag auf der Brechtbühne erinnerte auf jeden Fall so sehr an die der Vorjahre, dass die versammelte Journaille nicht eine einzige Frage zu stellen wusste – was vielleicht auch daran lag, dass abseits der Highlights noch kein Programmpunkt bekannt war und man sich erst einmal ein Bild über die fast 70 Veranstaltungen verschaffen musste. Auch blieben interessante Punkte wie die neue "Zentrale" in der Grottenau schlicht und einfach unerwähnt, warum auch immer.
Ansonsten gab es das Übliche: Mal wieder die "Marie A" zum Einstieg, wenn auch in sehr schöner Darbietung durch das Duo Karla Andrä und Sepp Holzhauser, danach eine "moderierte" Statementrunde mit Kulturreferent Peter Grab, Festivalleiter Joachim Lang und Theaterintendatin Juliane Votteler. Na ja, vielleicht lag's einfach an dem allseits ungeliebten Montag...
Am Programm der diesjährigen Brechtsause (31.01.-10.02.) kann's jedenfalls nicht gelegen haben, das kann sich auch montags durchaus sehen lassen. Die Festivaleröffnung am 31.01. bringt gleich den ersten großen Namen, der Schauspieler Burghart Klaußner (u.a. "Das weiße Band") gibt mit Festivalleiter Joachim Lang eine szenische Lesung mit Klavierbegleitung im Großen Haus.
Die lange Brechtnacht am Samstag, 01.02., geht dann in die Vollen mit u.a. Nina Hagen, der Popwundertüte Bonaparte, der Swingsängerin Alice Francis, den Mundart-Darlings Kofelgschroa, dem Augsburger Jazzpunkkollektiv Fräulein Brecheisen und Free Jazz des Tarfala Trios. Bluespots Productions inszeniert ein internationales Multimediaspektakel mit Theatergruppen aus Japan und den USA, die per Videostream teilnehmen.
Etwas ruhiger wird’s wohl beim Tanztee in der Haag-Villa am Sonntag, 02.02., während zwei europäische Theater aus dem ungarischen Kecskemét und der italienischen Hafenstadt Neapel das Große Haus "okkupieren". Am Montag. 03.02., übernehmen die Augsburger Philharmoniker im Kongress, die Stadtsparkasse setzt die Ausstellung der Brechtsammlung aus dem letzten Jahr fort. Für schlagkräftige Argumente sorgt Augsburgs Boxweltmeisterin Tina Schüssler mit einem Schaukampf in der Boxhalle des Polizeisportvereins, den Rike Schmid mit Brecht-Texten begleitet.
Weitere musikalische Highlights sind die britischen Tiger Lillies am Dienstag, 04.02., auf der Brechtbühne und natürlich die Augsburger Brechtband Misuk, die am Freitag, 07.02., mit ihrem dänischen Pendant Laila und Symfobia kooperiert.
Fans des gepflegten Spoken Words freuen sich auf Dalibor Markovic, den Meister der Mundkunst, der bereits am Donnerstag, 06.02., mit Kollegen die Zentrale beehrt.
Und auch Sebastian Seidel vom Sensemble-Theater hat wieder zugeschlagen, nachdem er letztes Jahr Brecht und die DAZ vor den Richter gezerrt hat, präsentiert er nun das Brecht-inspirierte Stück "Böser Bruder" mit Musik von Rainer von Vielen am Freitag.
Am Samstag, 08.02., schließlich steigt die Neuinszenierung "Der gute Mensch von Sezuan" im Theater Augsburg, in Szene gesetzt von der griechischen Gastregisseurin Katerina Evangelatos. Der Sonntag, 09.02., gehört Patti Smith, wer keine Karten bekommen hat, kann auf das "Lehrstück" in der Regie von Johanna Schall im Barbarasaal oder die vielversprechende Lesung von Ludwig Fels und Lütfiye Güzel mit musikalischer Unterstützung des Trabant Echo Orchestras im Hoffmannkeller ausweichen.
Der finale Montag, 10.02., lädt zum altbekannten Poetryslam "Dead Or Alive" ins Parktheater oder zur Geburtstagsrevue mit Thomas Thieme und Iris Berben im Großen Haus.
Dass das bei weitem noch nicht alles war, beweist die Festivalhomepage. Der Kartenvorverkauf startet am Dienstag, 17.12. (flo)
Das Foto zeigt v.l. Juliane Votteler, Joachim Lang, Pressesprecherin Susanne Meierhenrich, Peter Grab






