Magazin
„SEO – Wenn Räume sich berühren“
Immer weiter, immer fort, hinauf, hinab, hinüber, hinfort, das Andenken an vergangene Tage im Gepäck, verklärte Bilder, idealisiert, geschönt, tauchen auf, verschwinden, mischen sich gekonnt unter die Wirklichkeit, diese Gegenwart, ja, überlagern das Hier und Jetzt, subtil, subversiv, perfide. Reizüberflutet, so hat es den Anschein, erfährt die Ich-Perspektive, der Autor dieser neuartigen Bilder im Kuppelsaal der GALERIE NOAH seine Umgebung, kaum Zeit, sein aktuelles Gegenüber, die Umwelt, ausreichend zu mustern, geht es schon weiter zum nächsten, Bild, Ausblick, in die nächste Dimension. Stets in Bewegung ist diese durch die Welt wandernde Seele, rastlos, hungrig, neugierig, gleichermaßen immer, für ewig, wie versprochen, auf der Suche nach Schönheit, ohne Gnade, ohne Grenze, mit ganz eigenem Geschmack. In Korea müsse schließlich „alles immer schön sein“, „alles Negative von Schönheit überdeckt werden“, so unsere Urheberin, die Deutsch-Koreanerin SEO, die laut Kunsthistoriker und Kurator Christoph Tannert „auf abbildhafte Projektionen von Seinsfülle“ setze, die „so barock und gültig sind, wie ein Paradies für sie nur vorstellbar ist“.
SEO, eigentlich Seo Soo-Kyoung, 1977 in Gwangju, Südkorea, geboren, studiert erst Kunst an der Cho-sun Universität in Gwangju, wo sie die koreanische Reispapiertechnik erlernt, bevor sie 2001 in die Klasse von Georg Baselitz an die Universität der Künste Berlin wechselt. Sie schließt 2004 als dessen Meisterschülerin ab, erhält zahlreiche Auszeichnungen wie die Blickachsen Bad Homburg, den Falkenrot Preis Berlin oder den Bejing Art Award China und stellt schnell in großen internationalen Museen aus, auch auf der Biennale in Venedig. Sie beschäftigt sich, im Übrigen auf Anraten ihres Lehrers Baselitz, intensiv mit der Suche nach Heimat, ihrer Identität als Ostasiatin in Mitteleuropa, einem Hin- und Hergerissensein zwischen Tradition und Moderne. Stilistisch auf den Punkt bringt sie ihr Thema mit Einbezug der Reispapiertechnik und der Collage, die eine verfremdende Plastizität erzeugt, gebettet in ihre ganz eigene, poppig-surreale Neo-Romantik, die wiederum einem dynamisierenden Futurismus klar und deutlich gegensteuert, mit ganzer Wucht entschleunigen möchte. Pointillistische, auch expressionistische Tendenzen hat ihr Werk, genauso wie abstrahierende, alles fließt ein, über, weiter.
Gut 20 neue Arbeiten aus den Serien „Gleichzeitigkeit – Wenn Räume sich berühren“, „Fremd im eigenen Heim“, „Raum und Zeit“ und „Home is where I want to be“ nehmen den Betrachter hier und heute mit auf eine Reise durch die Welt von SEO, die sie sich malt, wie sie ihr gefällt, verzaubernd, bezaubernd, und irritierend zugleich.






