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Die Stadtwerke haben ihren Einstieg ins Carsharing ab April verkündet – ein Augsburger Verein bietet es schon seit 2001 an...

Die Zahlen sind für den einen erschreckend, für den anderen ein Beweis der deutschen Wirtschaftskraft: Über 60 Millionen Kraftfahrzeuge mit deutschen Kennzeichen tummeln sich auf unseren Straßen, auf tausend Einwohner kommen knapp 700 Autos.

Blöderweise nimmt im Gegensatz zu den bisweilen grotesk anschwellenden Produkten der Automobilhersteller der städtische und ländliche Raum nicht zu. Eine mögliche Abhilfe aus der Misere wird hierzulande bereits seit knapp 30 Jahren versucht: Das erste deutsche Carsharing-Angebot ist 1988 in Berlin entstanden. Anfang 2014 waren nach Angaben des Bundesverbands Carsharing (BCS) bei den etwa 150 deutschen Anbietern 757.000 Teilnehmer registriert, die knapp 8000 Fahrzeuge nutzten. Im Laufe des vergangenen Jahres dürfte dem Verband zufolge die Millionengrenze überschritten worden sein. Die Vorteile liegen auf der Hand, der Straße, im Geldbeutel und natürlich im gesunden Menschenverstand: weniger Kosten, Stress, Platz- und Rohstoffverbrauch.

Im Januar hat sich in Augsburg ein neuer Player ins Gespräch gebracht: Ab 11. April wollen die Stadtwerke Augsburg mit 25 Fahrzeugen an acht Standorten ins Carsharing einsteigen. Für den kommunalen Rundumversorger ein "logischer Schritt", nachdem man 2011 Leihfahrräder mit ins Programm genommen hat. Dementsprechend versuchen die Stadtwerke, ein Komplettangebot zu stricken: Wer bereits ÖPNV- bzw. Geschäftskunde ist, bekommt Nachlässe. Angepeilt werden 300 Teilnehmer im ersten Jahr.

"Die Voranmeldungen und Nachfragen stimmen uns hoffnungsvoll", so Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg. Kurzentschlossene, die sich bis 15. März anmelden, bekommen immerhin die Grundgebühr in den ersten drei Monaten erlassen. Einen Tag vorher, am Samstag, 14. März, stellen die Stadtwerke ihr Konzept noch einmal vor: Von 11 bis 16 Uhr erläutern Mitarbeiter am Königsplatz anhand von vier Fahrzeugtypen den Ausleihvorgang und beantworten Fragen, Interessenten können sich vor Ort anmelden.

Der andere Anbieter in Augsburg ist schon etwas länger dabei: Der Verein "Bei Anruf Auto" hat sich 2001 gegründet und verfügt nach eigenen Angaben zurzeit über 220 Mitglieder, die 13 Fahrzeuge nutzen, dazu sechs Kfz des "Schwestervereins" in Königsbrunn. Durch die Kooperation mit dem Netzwerk "Scouter" sollen ab März nicht nur acht weitere Fahrzeuge in Augsburg dazukommen, sondern auch die Möglichkeit, in ganz Deutschland Autos buchen zu können. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Teilnehmerzahl von "Bei Anruf Auto" verdreifacht, wie Vorstandsmitglied Thorsten Frank berichtet. Durch das ehrenamtliche Engagement ist man etwas preiswerter als das Angebot der Stadtwerke und bietet ebenfalls neben einem Elektroauto einen Bus sowie einen Transporter an.

Der Verein ist aber durchaus froh über die gesteigerte Aufmerksamkeit durch den Einstieg der Stadtwerke. Frank hofft u.a. die Zahl der innerstädtischen Stellplätze vergrößern zu können: "Wir sind immer froh über Hinweise und Möglichkeiten, das Angebot zu erweitern. Und die Stadt könnte reservierte Parkplätze fürs Carsharing bereitstellen – egal, von welchem Anbieter." (flo)

Die beiden Angebote im Vergleich:

Stadtwerke
Anmeldung: 49 Euro
Kaution: 300 Euro
Monatsbeitrag: 7 Euro
Nutzung: 1,60-4,90 pro Stunde (nachts 0,50- 1,00) plus 0,10-0,34 Euro pro Kilometer
www.swa-carsharing.de, 0821-6500-0, info@sw-augsburg.de
Stellplätze: Hoher Weg, Blaue Kappe, Hauptbahnhof, Hochschule, Jakobervorstadt, Martinipark, Klausenberg
(Angaben laut Homepage, Stand: Februar 2015)

Bei Anruf Auto
Anmeldung: 40 Euro
Kaution: 500 Euro
Monatsbeitrag: 8 Euro
Nutzung: 1,00-1,60 pro Stunde (nachts 0 Euro) plus 0,19-0,34 Euro pro Kilometer
Stellplätze: Hochzoll, Pfersee, Antonsviertel, Oberhausen, Haunstetten, City (Dom)
www.beianrufauto-augsburg.de, 0821/4506898, info@beianrufauto-augsburg.de
(Angaben laut Homepage, Stand: Februar 2015)

Bilder unten:
- Bei Anruf Auto (v.l.): Andreas Füg (Schatzmeister), Thorsten Frank (2. Vors.), Birgit Eckert-Gmell (IGEWO), Matthias Reinsch (1. Vors.)
- Fuhrpark der Stadtwerke (Screenshot)

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