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Beatsteaks am 01.10. in der Kantine - das Interview
Die Beatsteaks - Zurück zu den Wurzeln
Eine Barkasse auf der Spree, angemietet von einer großen deutschen Plattenfirma. Der Grund: Die Beatsteaks wollen mit Journalisten über ihr neues Album mit dem schlichten Titel "Beatsteaks" reden. Die Kleiderordnung der Band aus Berlin lässt zu wünschen übrig, denn statt schicker Kapitänsuniform und Offiziersmützen tragen die coolen Rocker abgewetzte Jeans und Turnschuhe. Die Beatsteaks haben irgendwie keine Lust auf Rockstargehabe und präsentieren sich lieber als die Jungs von nebenan. Olaf Neumann sprach mit Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Lead-Gitarrist Bernd Kurtzke über den ultimativen Sound, Rock'n'Roll-Texte und gefährliche Frauen
Auf der Homepage des Schaltraum-Studios in Berlin heißt es, man könne dort mit einfachen Mitteln stilvolle Produktionen machen, die sich von der Masse abheben. Hat es für euer neues Album funktioniert?
Kurtzke: Auf den Punkt. Es ist kein High-Class-Studio mit ganz tollem Equipment, sondern ein Tonstudio mit einer tollen Atmosphäre und einem super Klang. Wir wollten so klingen, wie wir unsere Musik im Schaltraum gehört haben. Aber der Sound allein ist nicht ausschlaggebend, es geht auch um die Lieder.
Was für einen Sound wolltet ihr haben?
Teutoburg-Weiß: Einen direkten. Es war ganz kurz mal im Gespräch, dass wir zu Steve Albini fahren. Er war aber zu teuer (lacht). Wir wollten diesmal schnörkellos klingen, so, wie wir uns im Proberaum fühlen. Da wir aber bereits die letzte Platte im Proberaum aufgenommen hatten, fiel diese Möglichkeit weg. Vor zwei Jahren haben wir im Schaltraum einmal für eine Tour geprobt, das war so cool, dass wir dort jetzt ein Album aufnehmen wollten. Man muss nicht nach New York fahren, es gibt auch hier gute Studios.
Welche Bedeutung hat das Tonstudio heutzutage noch?
Teutoburg-Weiß: Eine große. Viele Bands oder Musiker suchen nach einem speziellen Sound, den du auch nur in einem speziellen Raum aufnehmen kannst. Sicherlich liegt das Monopol heute nicht mehr bei den Studios, aber wenn zum Beispiel das Schlagzeug groß klingen soll, geht das am besten in einem großen Raum. Wir sind für die echte Variante und nicht für den Computer. Dieses Album hat für mich ein Vintage-Gefühl, weil alles in nur zehn Tagen rausgehauen und auf Band aufgenommen wurde. Das ist selten im Rockbereich. Rock krankt an der Überproduziertheit.
An den Reglern saßen Joe Barresi (Queens Of The Stone Age), Nick Launay (Nick Cave) und Stephen Street (The Smiths, Blur). Hat sich der Aufwand gelohnt?
Teutoburg-Weiß: Ja. Wir haben uns drei Supermixer geleistet, weil das immer unser Traum war. An dieser Platte haben wir ein halbes Jahr geschrieben und dann ziemlich viele Demos aufgenommen. Dann kam der Produzent Moses Schneider als Chef im Ring dazu. Innerhalb von 20 Tagen war alles aufgenommen. Wir wollten das Material so geil wie möglich mischen, das sollten möglichst die Tontechniker tun, die die Platten abgemischt haben, die wir toll finden. Tatsächlich sagten alle drei zu. Es war uns eine Riesenehre. Joe Barresi hat uns zum Beispiel bei "Up On The Roof" genau den Drumsound verpasst, den ich hören wollte.
Sind solche Leute nicht unfassbar teuer?
Teutoburg-Weiß: Ja, das sind sie, aber wir haben eine tolle Plattenfirma, der wir etwas wert sind. Also hatten wir ein bisschen Geld in der Tasche. Außerdem haben wir gehaushaltet, indem wir jedem Mixer nur eine bestimmte Anzahl von Songs gegeben haben.
Das Album klingt, als hättet ihr beim Einspielen viel Spaß gehabt...
Teutoburg-Weiß: Ja, denn wir waren frei. Das Vorgängeralbum "Boombox" haben wir noch über den Zeitraum eines Jahres in unserem Proberaum produziert. Deswegen sollte es dieses Mal schnell gegen. Dafür muss man sich sicher sein, was man machen will und sich eine Deadline setzen. Die Deadline war der Termin für die Weltreise unseres Produzenten Moses.
Kurtzke: Bei den Platten davor waren wir an einem Punkt angelangt, wo wir uns gegenseitig zu viel reingeredet haben. Das wurde diesmal vermieden. Wir haben gemerkt, dass man den anderen das machen lassen muss, was ihm Spaß macht. Das hat am Ende auch funktioniert.
Kann man mit Rocksongs noch überraschen?
Teutoburg-Weiß: Ganz klar ja. Jemand, der die Geschichte des Rock'n'Rolls kennt, ist wahrscheinlich nicht überrascht, aber als ich 22 war und Nirvana auftauchten, war mir alles egal, was davor passiert ist. Es war eine Initialzündung, weil die Songs toll waren. Ich weiß nicht, ob eine Band je wieder so einen Erfolg wie Nirvana haben kann, aber es gibt Gruppen, die 20-Jährige dahingehend flashen, dass diese auch in einer Band spielen wollen. Mein Lieblingslied "Everything Went Black" auf dieser Platte ist zum Beispiel eine ganz untypische Nummer für uns. Ein Michael-Jackson-Beat zu einer kruden Story von einer Prostituierten.
Wollt ihr den Rock'n'Roll neu erfinden?
Kurtzke: Das ist schwierig, weil alles irgendwo irgendwie schon mal geschrieben und gespielt wurde. Die große Kunst ist letztendlich, das zu machen, was noch keiner gemacht hat. Das wirst du mittlerweile aber nicht mehr schaffen. Du kannst es aber so gut wie möglich machen. Ein Qualitätsmerkmal ist, wenn man einer Platte anmerkt, ob die Musiker nur mit dem Kopf dabei waren oder auch mit dem Herzen.
Ist im Rock eigentlich alles erlaubt?
Kurtzke: Eigentlich muss alles erlaubt sein. Nur dann passieren überraschende Sachen. Nach Regeln aufnehmen geht gar nicht, dann kriegst du ja genau das, was du erwartest hast.
Der Song "Creep Magnet" dreht sich um eine Frau, die besonders anziehend wirkt auf Fieslinge. Kennen ihr solche Frauen aus eigener Anschauung?
Teutoburg-Weiß: Jeder kennt doch mindestens einen oder eine, der oder die sich immer in die falschen Leute verliebt. In unseren Songs geht es häufig um zwischenmenschliche Beziehungen, weil wir kleine Romantiker sind. Ich erzähle gerne Geschichten, manchmal sogar fünf in einem Song. Wir lieben den Nonsens. Die schrägsten RnR-Texte sind oft die besten: "Be-Bop-A-Lula, she's my Baby". Das Lustigste, was ich je gelesen habe, sind James-Brown-Texte. Eigentlich geht es darin nur um Hot Pants. Was er um Hot Pants herum aber erzählt, ist zum Totlachen.
Am 01. Oktober gastiert ihr in Augsburg. Was könnt ihr zu der Stadt sagen?
Teutoburg-Weiß: Unser Tonmann Tom Körbler ist Augsburger, deswegen freuen uns gerade auf diese Show. Wir werden mit Sicherheit großen Spaß haben!
Tickets für das Konzert gibt es seit heute an allen bekannten VVK-Stellen.
Das Album "Beatsteaks" ist am 01.08. bei Warner erschienen.






