Magazin
Eine Band für zwei
Etwas absurd ist es ja schon, dass eine Band, die am Dienstag (11.09.) im Münchner Ampere ihren Tourstart feierte, erst im November nach Augsburg kommt. Andererseits: So hat Schwester Vorfreude noch zwei Monate Zeit, sich auszutoben.
Und Vorfreude ist durchaus berechtigt, Kid Kopphausen sind zweifelsohne eine der zurzeit interessantesten Formationen aus der erweiterten deutschen Singer-Songwriter-Szene. Der Zusammenschluss von Shootingstar Gisbert zu Knyphausen und Altmeister Nils Koppruch (Foto oben v.l.) funktioniert live dann auch eine Spur besser als auf Platte, wobei diese beiden doch sehr eigenen Charaktere wahrscheinlich nie vollkommen im Bandgefüge verschmelzen werden. Gelegenheit wäre indes durchaus gegeben, die Mitmusiker sind mit Leidenschaft am Start - und wer weiß, was noch alles passiert auf der Reise.
Die - zumindest für den Beobachter - alles entscheidende Frage stellen die Musiker selbst im ersten Song der Platte, der auch live das Set eröffnet: "Wer bin ich?". Und sie geben gleich die einzig richtige Antwort: "Hier bin ich". Tatsächlich wechselt dieses janusköpfige Schlitzohr von einer Band ihr Gesicht so oft wie die beiden Protagonisten die Gitarren. Die zwei spielen in der Mitte des Sets jeweils einen Solosong, Nils' alte (legendäre) Combo Fink wird neu interpretiert und auch ein Gisbert-Lied findet seinen Platz. Langeweile kommt da sicher nicht auf und der rote Faden bleibt dank Alexander Jezdinsky am Schlagzeug, Gitarrist Marcus Schneider und Felix Weigt an Bass und Keyboard, die mühelos von ruhigen Tönen auf Off-Road umschalten können, immer erhalten.
Auf jeden Fall haben die Jungs reichlich Spaß, freuen sich ehrlich über die positiven Reaktionen des Publikums und selten hat man einen so gutgelaunten Nils Koppruch nach der Show gesehen. Etwas Sorgen muss man sich höchstens um den unglücklichen Pascal Finkenauer machen, einen Vertreter der aktuell so boomenden und gleichzeitig so moribunden "klassischen" deutschen Songwriter-Szene, der im Vorprogramm der beiden Giganten auch bei den folgenden Gigs einen schweren Stand haben dürfte.
Kid Kopphausen gastieren am 14. November im Augsburger Ostwerk.
Fotos: Dennis Williamson/Trocadero






