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Jubiläum - und Schluss
"Mit dem Alter fängt man an, sich für Countrymusik zu interessieren", sang Aeronauten-Frontmann Guz einst. Fragt sich nur, welche Art von Country. Denn trotz ungebrochener Cash-Euphorie und allgemeiner Beliebtheit von Acts wie Dixie Chicks oder Boss Hoss bleibt "the other side of Nashville" meistens auf der Strecke.
Trauriges Beispiel dafür ist auch das "Internationale Kötzer Country Music Festival" bei Günzburg, das dieses Jahr zum 30. und letzten Mal über die Bühne gehen wird. Organisiert von den "Country & Western Friends Kötz e.V." hat das zweitägige Festival laut Vereinspräsident Peter Wroblewski in drei Jahrzehnten über zweihundert Bands aus fünfzehn Nationen mit mehr als eintausend Musikern auf die Bühne gebracht.
"Leider ist der Besucherzuspruch nicht mehr ausreichend, um das Festival kostendeckend zu veranstalten", so Wroblewski. Im vergangenen Jahr waren es am Samstag nicht mal 300 Zuschauer, die Kalkulation geht eigentlich von 700 plus an beiden Tagen aus. "Wir wissen, dass wir mit unserem Festival keine Massen anziehen, dafür ist es vielleicht zu traditionell ausgerichtet, dennoch haben wir immer unser Konzept beibehalten, denn 'Fastfood-Country' gibt es leider viel zu viel und das kommerzielle Nashville kann einen wirklichen Countrymusic-Fan wahrlich nicht begeistern", erzählt der Präsident des "Vereins zur Förderung und Pflege der amerikanischen Country & Western Music". Der Banker im Vorruhestand hat den Verein 1982 gegründet, unter den rund 150 Mitgliedern ist die Jugend allerdings Mangelware: "Nachwuchs, der sich aktiv am Geschehen beteiligt oder gar Verantwortung übernehmen würde, ist leider weit und breit nicht in Sicht."
Nichtsdestoweniger probieren es die Countryfreunde noch einmal und haben für das Wochenende 07.-08. Juni in der Günzhalle wieder ein sattes Programm aufgestellt mit Acts aus USA, Großbritannien, Polen und Deutschland. Highlight dürfte der Auftritt von Jayke Orvis & The Broken Band (Foto) aus Pittsburgh, Pennsylvania am Freitagabend sein. Neben den musikalischen Attraktionen gibt’s Verkaufsstände mit Klamotten, Schmuck, Schallplatten, CDs und DVDs. Der Samstagvormittag startet mit einer kostenlosen CD- und Plattenbörse, am Nachmittag bei hoffentlich guter Witterung steigt eine Bluegrass-Session mit Heiko Ahrend und Band auf dem Campingplatz neben der Halle.
Dass die Countryfreunde nicht aufgeben, versteht sich von selbst. "Wir werden auch weiterhin seriöse Veranstaltungen mit ausgewählten Künstlern bei uns anbieten und sehen, wie dieses Engagement angenommen wird. Massenware à la Boss Hoss oder Truck Stop kommt für uns nicht in Betracht", erklärt Peter Wroblewski. Die nächsten Konzerttermine sind die beiden US-Bluegrass-Formationen Chris Jones & The Night Drivers sowie The Growling Old Men am 05. bzw. 30. Mai im Kulturgewächshaus Birkenried.
Kötz liegt übrigens gerade mal eine gute halbe Autostunde von Augsburg entfernt, fünf Minuten von der A8-Ausfahrt Günzburg-Legoland. Weitere Info zum Festival, zum Verein und den anderen Konzerten hier.






